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Fantic 240 Professional

6. Oktober 2010

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Hochnebel, es hat den ganzen Tag genieselt. Es ist drei Uhr, die Außentemperatur beträgt 12,8°C und der Arbeitstag macht sein wohlverdientes Mittagsschläfchen.

Ich gehe in meine Werkstätte - da die Leiter hoch - hole mir ein Motorrad vom Dachboden - natürlich nicht über die Leiter.

Heute wähle ich die Fantic Trial 240 Professional aus dem Produktionsjahr 1981. Ich sehe sie mir einmal rundum genau an: Luftdruck, Räder, Kette, Gabel, ... - alles in Ordnung. Dann springe ich in meine Stiefel und tauche in meine einsame Offroad Oase ab.

Ich hatte mir schon vor Tagen vorgenommen, wieder einmal den „Ready to Race“ - Status der Fantic 240 zu überprüfen. Heute soll es sich zeigen. Im indirekten Vergleich mit der Gsöll Fanda 185 Trial Spezial soll die in Großserie industriell gefertigte WM-Wettkampfmaschine von Fantic beweisen, was sie besser kann als Walter Gsölls Eigenbau mit Enduro Motor.

Ein indirekter Vergleich ist es, weil ich in den letzten Wochen fast nur mit dieser Gsöll Fanda in der Spur war. Ich habe mich also an die Fanda gewöhnt - und da muss man jetzt zugeben, dass mir der Umstieg von der Fantic 240 auf die Fanda einiges an Zeit gekostet hat. Diese beiden Motorräder könnten kaum unterschiedlicher sein. Aber dazu später.

Mein Motorrad hat ja einige Eigenheiten und lässt sich nicht in jedem Bereich mit der Standard-240er vergleichen. Es ist das Moped unter den 240ern. Da fehlen einige KW, dafür bietet die Maschine aber ein Arbeits-Drehzahlband, das gut zu meinem Fahrstil passt. Eines konnte und wollte ich der 240er mit meiner Spezialbedüsung nicht nehmen – das Motocross Gen. Auch meine Maschine ist wie alle anderen F240er eine geile Motocross-Sau. Besser als alles andere kann sie brutale Hillclimbs gehen. Egal wie gut du fährst – da setzt dir die F240 sicher keine Grenzen. Du darfst nur keine Angst vor der Drehzahl haben, und du musst die Traktion entweder durch Pumpen mit dem Körpergewicht oder im Schutz der abbauenden Drehzahl suchen. Ole´

Aber zurück zur heutigen Ausfahrt!

Im Vergleich zur Fanda, mit ihrem 50er Rahmen, ist die Fantic 240 ein langgestrecktes Motorrad. Die Federung meiner Maschine ist hinten für einen Twinshocker „1a“. Die Gabel hat aber schlaffe Federn und wenig Dämpfung. Die schlaffen Federn habe ich mir nicht ausgesucht- finde ich aber nicht schlecht, die feine Dämpfung will ich so (5er Gabelöl). Warum ich zuerst von den Federn schreibe? Weil das erste Teilstück meiner Fahrt über eine feste Schotterpiste führt, und das „geradeaus Fahrwerk“ eine hohe Fahrgeschwindigkeit erlaubt. Der Motor kommt diesem Wunsch nur zu gerne nach. Einzig die Kupplung ist hier manchmal überfordert. Ein untrüglichen Zeichen, dass man zu schnell zur Sache kommt. Das Öl ist noch nicht so weit – also in der 5 und in der 6 ein wenig langsamer aufdrehen. Aber schnell fahren ist schön mit meiner F240.

Nach fast 1,5 km Fahrt, der Motor ist bereits warm, der erste „Hill“. Ich schreibe "Hill" und nicht Hang oder Hügel, denn ein Hang wird erst zum Hill wenn er befahren wird. 60 Meter geht es vom Weg richtig steil hinauf. Anfahrt ist da, aber du musst im Hang die Linie, den Kraftschluss und die Geschwindigkeit halten. Ich fahre in der Drei an, dreh aber wieder ab – zu schnell. Die Zwei rein, ordentlich einschenken und mit Gebrüll hoch. Im Berg wundere ich mich, wie unwichtig der 240er meine Körperposition ist. Bei der Fanda wäre das Vorderrad längst gestiegen – aber die 240 macht das ganz allein und das auch noch sehr überzeugend. Das Geheimnis: Drehzahlreserve.

 

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Und enges Gehäkel?

Einige hundert Meter weiter – ein Hohlweg. Der Weg hat eine alte und eine neue Fahrspur. Beide Wege, der Alte und der Neue, haben sich an der tiefsten Stelle mehr als einem Meter tief in den Hang gesägt. Dazwischen ist ein steiler, von Bäumen bewachsener und durchwurzelter Kamm erhalten geblieben. Was für eine Spielwiese! Hier male ich einige „free lines“ in das Gelände und wundere mich über die Verrückten Radien, die ich da in den letzten Tagen mit der Fanda gezaubert habe. Klar, diese Linie kann ich heute mit der 240 nicht halten. Nicht über die schräg schneidenden Wurzeln bergauf, und nicht in den engen Wenden. Jetzt würde ich gerne behaupten: „Das ist auch überhaupt nicht meine Fahrweise.“ Aber mit der Fanda macht mir das offensichtlich Spaß.

Nicht weit von den Hohlwegen fahre ich über Baumstümpfe, die hier eng hintereinander in Reih und Glied die Linie vorgeben. Es ist eng zwischen den Stümpfen, denn die 240 ist ein großes Motorrad, das du nur dann kleinräumig bewegen kannst, wenn du dich vollkommen auf sie eingestellt hast. Hier ist die Große durchaus schwierig zu fahren. Es ist nicht das richtige Motorrad für enge Spuren mit wenig Steigung.

Bei meinem Wildsau-Hang, der vor allem gemeine Querhang-Linien mit abweisenden Hölzern anbietet, fühle ich mich heute mit der 240 auch nicht gut. Zwar habe ich diese Linien mit der Großen schon bei jedem Wetter in alle Richtungen befahren, aber heute fehlte mir das Vertrauen. Ich stelle die Maschine also bergab in den Hang, und genieße die großartige Vorderbremse, deren Dosierbarkeit nicht von allen Scheibenbremsen erreicht wird . Jetzt macht sich die sensible Gabel bezahlt. Auch wenn man die 35mm Marzocci Gabel bergab leicht überfordern kann, was sie mit einem lauten „Klack“ beim Anschlagen in der Federgrenze quittiert, findet man in steilen Bremsabschnitten schnell Vertrauen in das Gefährt.

Es reicht mir auch schon für heute und ich kehre hier nach zwei Drittel meiner täglichen Fahrstrecke wieder um. Nicht ohne auf dem Rückweg einige Flurschäden zu hinterlassen. Ging heute nicht anders. Mit 30 bis 40 km/h kannst du die F240 im vierten Gang bei vernünftiger Drehzahl über Stock und Stein jagen, und dabei immer wieder den kraftvollen Antritt dieser geilen Motocross-Sau abrufen. Oh yeah – “ready to race”

Joe

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