Gerhard Pegam - Trial Lebenslauf

Text: Gerhard Pegam

Gerhard Pegam

Begonnen hat alles 1976 ...

... durch das 1. CAR Team Ferlach, bei dem mein Vater und mein Onkel aktive Funktionäre waren. Das 1st Carinthian Amateur Racing (= CAR) Team hat einen Lauf zum Kärntner Trailcup veranstaltet. Mentor der Serie war Dr. Hermann Ehweiner, der über Jahre die Trialszene in Kärnten geprägt – um nicht zu sagen aufgebaut und entwickelt hat.

Traum vom Rallyesport

Mein Traum war immer der Rallyesport, und meine Vorbilder waren Ari Vatanen und Hans Schönlieb aus Ferlach. Keiner konnte so schön querfahren wie der Hans mit seinem BMW 2002tii. Der Hans war mit meiner Cousine liiert, und deren Bruder Herbert (mein Cousin) fuhr auch mit einem BMW 2002ti Rallye. Aber nur kurze Zeit – aus Geldmangel blieb ein 9.Platz bei der Karawanken Rallye das einzig vorzeigbare Ergebnis. Hans Schönlieb zählte immerhin zu den besten Piloten Österreichs, wenn er auch finanziell mit Kalibern wie Klaus Russling, Franz Wittmann oder Georg Fischer nicht mithalten konnte. Schon als 14 jähriger hatte ich durch das CAR Team Berührung zur Karawanken Rallye und zum Autocross Hollenburg. Die Motorrad Leidenschaft habe ich von meinem Vater geerbt, und der Trialsport war wohl die einzige Motorsportart, die man auch mit 14 anfangen konnte. Eigentlich wollte ich Rallyeweltmeister werden, aber die Rallye WM musste noch warten...

Erstes Trial

Mangels Auto und Führerschein (ich war ja auch erst 14) startete ich schließlich bei einem Trial in Ferlach, welches vom 1.CAR Team veranstaltet wurde. Mit einem serienmäßigen Puch Moped MC 50, mit abgefahrenen Reifen und einer Sitzbank die ich in fast jeder Sektion mindestens einmal verlor. Völlig ungeeignetes Material, aber aufgegeben habe ich nicht. Trotz Dauerregen. Mehr aus Mitleid schenkten mir die Punkterichter den einen oder anderen Dreier. Aber ich hatte Blut geleckt. Ein Trialmoped musste her.

 Gerhard Pegam 1978 - Puch Cobra  Video auf Youtube

Puch Cobra

Mein Vater kaufte mir eine Puch Cobra. Über Dr. Ehweiner gab es eine Verbindung zum Puch-Werk. So kam ich an den einen oder anderen trialtauglichen Umbauteil. Puch hatte eben den Puch-Trial Cup ausgeschrieben. Erster Preis war ein Fiat 127.

Über Dr. Ehweiner lernte ich auch die beiden Kärntner Nachwuchs Tialfahrer Walter Krassnitzer und Franz Seebacher kennen. Beide waren quasi Nachbarn von Dr. Ehweiner und wohnten auch nicht allzu weit von mir weg. Dr. Ehweiner hatte nicht nur den Vater von Franz Seebacher dazu bewegt ihn in seinem Wald trialfahren zu lassen, er hatte bei dieser Gelegenheit auch die beiden Cousins Franz und Walter mit dem Trialbazillus infiziert

Den Puch Cup dominierten Walter Krassnitzer und Gerhard Wolf. Ich war ein Neueinsteiger. Franz und Walter waren mir sofort sympathisch, und ich durfte auch bei Franz Seebacher im Wald trainieren. Und ich trainierte viel. Der Walter Krassnitzer galt zwar als der Ober-Trainierer, aber soviel wie ich hat keiner von denen trainiert. Ich ging nur nebenbei zur Schule (HTBL Klagenfurt) – in erster Linie fuhr ich Trial.

Mein Vater ...

... hat mich prima unterstützt. Selbst wenn er oft die ganze Woche auswärts gearbeitet hat, fuhr er mich dann am Wochenende durch ganz Österreich, von einem Trial zum anderen. Das wusste ich damals gar nicht so zu schätzen. Ich hab’s ihm nie gesagt: Danke.

Erstmals auftrumpfen konnte ich in Sittendorf, mit einem dritten Platz im Puch Cup. Das gab auftrieb! Auch bei einigen Läufen zum Kärtner Puch Cup konnte ich mit guten Platzierungen aufhorchen lassen. Der Dominator im Puch Cup in jenem Jahr war aber der Walter Krassnitzer. Er gewann den Fiat, und stieg in die Juniorenklasse auf. Er durfte als „Puch Werksfahrer“ auch gleich die neue Puch Yeti fahren. Ich wurde 1977 fünfter im Österreichischen Puch Cup und 4. im Kärntner Puch Cup.

 Gerhard Pegam 1978 - auf Fantic 50 beim
Trial in Spital am Semmering  Video auf Youtube

Damit schien die Bahn im Puch Cup im Jahr 1978 für Gerhard Wolf frei. Da hab ich ihm aber in die Suppe gespuckt – keiner hat mit mir gerechnet. Aber das viele Training hat sich ausgezahlt. Ich war bestimmt nicht so ein Bewegungstalent wie der Franz Seebacher, aber ich hab das Trialfahren doch irgendwie erlernt.

In Retz konnte ich dann den ersten Lauf zum Puch Cup gewinnen – der Walter Wolf hat sich nicht mehr ausgekannt! So ging’s dann das ganze Jahr über. Es war ein spannender Kampf. In Retz wurde auch der Wolfgang Purkhart – von BLM - auf mich aufmerksam. Im Lauf des Jahres hat mir der Ulli Leitner, Chef von BLM (Brüder Leitner Motorräder) eine Fantic 50 zur Verfügung gestellt. Obwohl diese Trial-Fantic – mit der auch der Andreas Miedaner gefahren ist - ein Ableger der Fantic Caballero (also dem Enduro-Moped) war, war sie im Vergleich zur Puch Cobra ein echtes Trialmotorrad. Super exaktes Fahrwerk, kräftiger Motor – man musste sie nur ein bischen hoch drehen, aber daran gewöhnte man sich schnell. Ich hab den Puch Cup 1978 dann auf einer Fantic gewonnen. Leider gab’s keinen Fiat 127 mehr zu gewinnen, sondern „nur“ eine Puch Cobra. Aber man soll ja nicht undankbar sein. Das Puch überhaupt Geld in den Trialsport gesteckt hat, war schon eine tolle Sache. Der Dr. Ehweiner war auch ein wichtiger Treiber hinter diesem Projekt.

Ich gewann in diesem Jahr auch noch den Kärntner Puch Trial Cup, und damit noch eine Puch Cobra. Die haben wir dann beide verkauft – schließlich war ich jetzt ja „Fantic-Werksfahrer“.

Der Wolf Gerhard wurde 1978 wieder Zweiter. Er war damals übrigens noch ein recht kleiner Knirps. Unglaublich wie der später dann gewachsen ist. Tragisch, dass er viele Jahre später auf Korsika bei einem Badeunfall ums Leben kam. Ein sehr netter Kerl. Sein Vater – ein richtiges Original - hat ihn nach Kräften unterstützt, sein Verlust war ein schwerer Schlag. Der Walter Wolf war nie mehr der alte.

Ich stieg dann auf die Fantic 125 um.

 Gerhard Pegam 1979 - auf Fantic 125 beim Trial in Ferlach 
 Video auf Youtube

Die wurde nicht gleich zu Saisonanfang geliefert, so dass ich den Auftakt zum Kärntner Trial Cup 1979 in Neuhaus noch mit der 50er absolvieren musste. Obwohl ich nicht mehr bei den Mopeds startete, sondern bei den Junioren, gab es gleich einen zweiten Platz. Mit etwas besseren Nerven, hätte ich mit dem Moped sogar gewinnen können. Im weiteren Verlauf der Saison gab es mit der 125er aber noch viele erste Plätze und den Sieg in der Kärntner Meisterschaft.

Kärnten war damals die Hochburg im österreichischen Trialsport. Mehr als 80 Starter waren keine Seltenheit. Im Viktringer Wald bei Seebacher’s wäre eine Einbahnregelung nicht unangebracht gewesen. Zeitweise waren wir beim Training zu siebent oder zu acht!

Ein weiteres Highlight war dann 1979 das Junioren Trial in Piesting/Niederösterreich, welches ich mit Null Punkten gewinnen konnte. Der Zweitplatzierte hatte 20 oder 30 Punkte!

Ich wäre eigentlich 1979 schon reif für die Österreichische Meisterschaft gewesen, aber ohne Führerschein ging nichts. Sehr intelligentes Reglement. Warum man zum Trialfahren im Wald einen Führerschein braucht, werde ich nie verstehen. Ich habe da ein sicher tolles Jahr verplempert. OSK sei Dank!

Im Training ..

... konnte ich mit den Größen von damals ganz gut mithalten – einzige Ausnahme war vielleicht der Wallmann Joe, aber der fuhr in Österreich eh fast nicht, und wegen seiner deutschen Lizenz wurde er auch bei Internationalen Veranstaltungen nicht so richtig als Österreicher betrachtet. Mit Engstler, Luft, Kaiser, Trummer und Karl duellierten wir uns aber prächtig. Meine Erwartungshaltung war eigentlich schon gewaltig. Ich konnte aber meine Trainingsleistungen nicht oft in Wettbewerbsresultate umsetzen.

Mit dem Kaiser Wolfgang freundete ich mich dann etwas näher an, als ich 1981, nach Abschluss der Matura für ein paar Monate nach Wien zum jobben ging. Im Wiener AKH habe ich Potentialausgleichsleitungen verlegt: Sche....Job. Spaß gemacht hat’s trotzdem, weil der Wolfi ein verrückter Vogel war. Den konntest Du mitten in der Nacht aus dem Bett holen, um dann noch um die Häuser zu ziehen. In Heinrichs und am Wienerberg haben wir auch viel trainiert. Böse Zungen behaupten, dass mein Ersatzteilverschleiß die Firma BLM in eine finanzielle Schieflage gebracht hat – da lagen aber doch 20 Jahre dazwischen. Auf jeden Fall hat der Wienerberg so manches Motorengehäuse auf dem Gewissen.

So auch passiert am Vortag vom Trial in Kirchdorf an der Krems. Beim Trainieren am Wienerberg mit dem Kaiser Wolfi, dem Klaudus Willi und dem Doktor Ramharter habe ich das Getriebegehäuse ruiniert. Ich bin dann mit dem kaputten Motorrad trotzdem nach Krems gefahren, in der Hoffnung, der Ulli wird’s schon irgendwie richten. Hat er auch. Dem Pauli Weidowsky (der für die Zeitung „Motorrad“ geschrieben hat) hat er seine Vorführ-Montesa 349 weggenommen und damit durfte ich dann starten. Ich war noch nie vorher damit gefahren. Und auch die 125er und 200er Fantic’s galten ja unter richtigen Männern nur als Mopeds. Also, das „erste Mal“ auf einem Motorrad und prompt habe ich gewonnen. Das Motorrad fuhr zwar wirklich mehr mit mir, als umgekehrt, aber irgendwie hat die Richtung doch immer gepasst. Mensch, war der Kaiser Wolfi sauer.

Nie vergessen werde ich meinen ersten Sieg in Retz. Mit großer Sicherheit fuhr ich zwei Tage vor meiner Matura zu einem überlegenen Sieg. Ich wusste schon in der Früh, nach dem aufstehen, heute kann mich keiner schlagen. Solche Tage hätte ich gerne öfters gehabt! Die Matura habe ich übrigens auch mit Auszeichnung bestanden.

Die Jahre in der österreichischen Meisterschaft ...

... waren sehr lehrreich. Niederlagen stärken ja den Charakter, sagt man. Ich habe dem Druck – den ich mir selbst machte – nicht gut stand gehalten. Eigentlich hätte ich zumindest ein-, zweimal Meister werden müssen. Gereicht hat es nie. Am nächsten dran war ich 1981. Ich hatte ein paar tolle Resultate, gewann wieder in Retz, auch in Spittal am Semmering und in Spital an der Drau. In Rothenbuch war ich nach Punkten Sieger, durch eine Zeitüberschreitung wurde ich aber letztendlich nur als dritter gewertet. Ich führte bis zum letzten Lauf in Graz. Ein Platz vor Walter Luft hätte mir gereicht. Zwei Tage vor dem entscheidenden Trial wurde mir in München mein nagelneuer (unversicherter) Golf GTI gestohlen. Das hat mich schön durcheinander gebracht. Ich musste mit dem Zug von München über Wien und Bruck and der Mur anreisen. Das hat die Stimmung nicht gerade gehoben. Das Trial in Graz (Schloß Waasen) habe ich nie richtig gemocht. Wie Rothenbuch/NÖ war das meist eine Schlammschlacht. Gleich in der ersten Sektion kassierte ich einen Fünfer, weil der Motor noch nicht richtig warm war. In der zweiten konnte ich mich beim besichtigen nicht so richtig entscheiden, ob ich rechts oder links von einem Baum die Auffahrt hochfahre – und bin dann kerzengerade in den Baum gefahren: Fünf. Der Ulli Leitner ist mit seiner schweren Ossa 350 locker einen Nuller gefahren.......Schließlich hat mir ein Punkterichter in einer Geröllsektion noch einen Fünfer verpasst, obwohl ich einen sonnenklaren Dreier hatte. Selbst der Schneider Bruno, nicht gerade ein Fan von mir – schließlich waren seine Buben meine größten Gegner im Kärntner Cup zu der Zeit – hat sich für mich eingesetzt und versucht den Punkterichter zu überzeugen. Vergebens. Ich wurde sechster. Einen Platz hinter Walter Luft, er hatte einen (!) Strafpunkt weniger. Für ihn freut's mich – über mich ärgerte ich mich (im Prinzip bis heute). Es tat mir auch leid für den Leitner Ulli. Schließlich habe ich die Motorräder immer kostenlos von ihm bekommen, und ich hätte mich schon gerne mit einem Meistertitel bei ihm bedankt.....

Irgendwie war dann auch die Luft raus.

Das trainieren machte nicht mehr soviel Spaß wie früher. Die Konkurrenz aber wurde härter. Die Schneider-Brüder und der Brandauer-Bub trainierten noch viel mehr als ich zu meiner besten Zeit. Die beste Zeit hatte ich mit 20 aber schon hinter mir! Die Fantic 200 und 240 passten gut zu meinem Fahrstil – die 300er war für mich ein Schritt in die falsche Richtung: zu groß, zu schwer.

Zwischendurch hatte ich noch einige tolle Ergebnisse:

1982 Sieg in Spittal/Drau und 2.Platz in Rothenbuch. 1983 Sieg in Saalfelden und 2.Platz in Graz (!) und 1984 Sieg in Wienerbruck, und jeweils 2.Plätze in Radstadt und Graz (!) – hab ich was gesagt von wegen ich mag Graz nicht? Ich hatte aber auch genauso tiefe Einbrüche: 6. und 7. Plätze. Zu wenig Konstanz.

Ich mogelte mich noch bis zum WM Lauf 1985 durch, dann hörte ich auf, heiratete und zog nach Deutschland. Eigentlich hätte man ja auch dort noch trialfahren können, doch wie gesagt: die Luft war raus, die Enttäuschung über Graz 1981 zu groß.

Im Winter 84/85 machte ich dann einen Enduro Abstecher zur Rallye Paris-Dakar nach Algerien mit einer XT 550, im Swiss Safari Rallye Team, animiert von Peter Hinterreither. Das war eine tolle Erfahrung, an die ich noch heute gern zurückdenke. Allein über die Erlebnisse auf dieser Reise könnte man ein Buch schreiben.

1988 kaufte ich mir dann eine Cagiva Elefant und es folgten viele Jahre mit Endurotouren auf den berüchtigtsten Schotterpässen Europas. Vom Tremalzo bis zum Chaberton. Ein anderes, aber nicht minder schönes Kapitel meines Motorradlebens.

Erst im Jahr 2002 ...

 Gerhard Pegam - Trial Rückblick in Bildern 
 Video auf Youtube

... hat mir meine Frau ein Trialmotorrad zum Geburtstag geschenkt  und hatte –ohne Druck – sofort wieder Spaß daran. Ich bin auch ein paar Mal bei den Senioren (!) mitgefahren und fand es ganz witzig wieder gegen dieselben Leute zu fahren wie damals: Franz Karl, Helmut Hojas, Heinz Leitner, Joe Wallmann. Das anstehen und warten bei Sektionen finde ich aber auch heute noch nicht lustig. Deswegen fahre ich am liebsten bei mir im Wald mit ein paar Freunden......

Es war eine schöne Zeit. Ich verdanke dem Sport, und damit den Menschen die ihn hochhielten sehr viel. Allen voran: Ulli Leitner, Dr. Ehweiner, Stromberger Siegi, Beinl Jörg.....um nur ein paar zu nennen.

Viele sind nicht mehr: Gerhard Wolf, Gottfried Engstler, Dietmar Promberger – alle viel zu früh gegangen.

Viele sind heute noch gute Freunde: Karl Franz und Tusch Gerhard zum Beispiel.

Es war eine schöne Zeit. Und es ist auch heute noch schön Trial zu fahren.

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... im Web:

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1981,
Schloss Waasen bei Graz:
Bodenfrost, Wurzel und Dreck waren typische Merkmale der Veranstaltung auf  herbstlichem Waldboden in der herbstlichen Steiermark.

 

Gerhard Pegam
ÖM-Platzierungen

1980:  Platz 3.
1981:  Platz 2.
1982:  Platz 5.
1983:  Platz 7.
1984:  Platz 5.

 Fotogalerie

Kalkfelsen in Retz -
Fantic Terrain (1980)

 

Training in Heinrichs

WM Lauf in Heinrichs

ÖM-Lauf in
Spittal an der Drau

 

WM Lauf in Spital am Semmering

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