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Debüt der 388 ccm Moto Cross- Puch
Mit einem Knalleffekt trat das Ruch-Werk beim Start der diesjährigen Moto Cross-Saison in Österreich auf. Erster Staatsmeisterschaftslauf auf dem Rundkurs von Krieglach, erste Präsentation der neuen „großen" Moto Cross-Maschine, und erster Sieg gegen harte Konkurrenz. Schon gegen Schluss der Saison des vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass Puch an neuen Moto Cross-Rennern arbeitete. Damals war zwar die 125 ccm-Maschine bereits konkurrenzfähig, in der 250 ccm-Klasse hingegen war es offensichtlich geworden, dass der auf dem Block des 125ccm-Motors aufgebaute Viertelliter-Motor bald einer Neukonstruktion weichen müsste. |
Born to win
Die Winterpause im Sport gab den Technikern in Graz dann genügend Zeit, diese neuen Pläne in die Tat umzusetzen. Ein völlig neuer Motor wurde entworfen und gleich von Anfang an so ausgelegt, dass er sowohl für die Viertelliter- als auch für die Halbliterklasse passen würde. Während es sich jedoch beim Motor des Vorjahrs um einen reinen Prototyp handelte, steht das Entwicklungsziel der neuen Konstruktion klar fest. Es heißt: Serienbau — die Puch-lmporteure in den USA warten auf die großen Puch-Typen. Markantes Merkmal des neuen Motorblocks bildet vorläufig noch der ein wenig kantig und grobschlächtig aussehende Leichtmetalldeckel über dem Primärantrieb an der rechten Seite. Die 125ccm-Puch und die von ihr abgeleitete frühere Version des 250 ccm-Motors tragen ihre Kupplung auf der Kurbelwelle. Im neuen Motor hingegen sitzt die Kupplung auf der Getriebe-Eingangswelle und wird von der Kurbelwelle über einen Zahntrieb angetrieben. Zum Ausrücken der Kupplung dient eine quer durch die Welle laufende Druckstange, ähnlich wie beim alten TF-Modell. Der Kupplungszug greift an einem langen, links außen am Block sitzenden Ausrückhebel an. Derzeit fährt die Puch-Mannschaft mit Fünfgang-Klauengetriebe. Ein Zahnradsatz mit sechs Gängen liegt ebenfalls bereit und kann bei Bedarf eingebaut werden. Ob die späteren Serienmodelle fünf oder sechs Gänge aufweisen werden, ist noch nicht entschieden.
Wie Dipl. lng. Mario Sucher, der Technische Direktor von Puch in Graz, erklärte, wurden für den 250 ccm-Motor Bohrung und Hub des alten Prototyps beibehalten -70mm Bohrung, 64mm Hub und 247 ccm Hubraum. Hinsichtlich der Leistung wäre es den Grazern wohl am liebsten gewesen, ich hätte mich mit der berühmten Rolls-Royce-Angabe „ausreichend" begnügt. Nach eifrigem Bohren meinerseits rückte man jedoch schließlich damit heraus, dass der Motor „rund" 33 PS abgibt. Viel leichter war es, die Leistung der größeren Variante des Motors zu erfahren. Mit berechtigtem Stolz nämlich sagte man mir, man hätte 42 PS am Prüfstand gemessen, und diese 42 Pferde seien absolut echt und ehrlich. Im Programm zum Rennen in Krieglach übrigens war die neue große Puch mit 400 ccm Hubraum angeführt. Exakt hingegen beträgt der Hubraum dieses MC-Motors, bei 84 mm Bohrung und 70 mm Hub, 388 ccm. Ebenso wie an den kleineren Motoren wird auch hier die kontaktlose Zündanlage der spanischen Firma Motoplat verwendet.. |
Neues Fahrwerk - auch als straßentaugliches "Trail Bike?"
Auch das Fahrwerk der neuen Puch 250/388 ist ganz neu konstruiert worden. Der Rahmen ist aus Stahlrohr gefertigt. Die Telegabel stammt von Betor, einer spanischen Firma, und gleicht weitgehend jenen Gabeln, die Betor für die Serienmodelle von Bultaco liefert. Für die Federung des Hinterrades experimentiert man derzeit sowohl mit Girling-Aggregaten als auch mit eigengefertigten Typen. Die letzteren sind zwar teuerer, bieten jedoch eine willkommene Möglichkeit, Gewicht zu sparen. Auch die konischen Radnaben sind neu, wenn auch nicht unbekannt. Wer genau hinsieht, merkt bald, woher sie kommen: Die mit Puch eng befreundete englische Firma Greeves sandte einige der Naben ihres Moto Cross-Typs „Griffen" nach Graz, und in der hauseigenen Gießerei wurden flugs exakte Kopien davon angefertigt. Eigenbau sind übrigens auch die extrem leichten Kunststoff-Schutzbleche - glasfaserverstärktes Polyestermaterial im Handauflageverfahren gefertigt — sowie der ebenfalls aus Kunststoff bestehende Kraftstofftank. War die 250er-Puch des Jahres 1971 von ihren Fahrern noch als „schwerer Bock" bezeichnet worden, so bewegen sich die beiden neuen Modelle nur mehr knapp oberhalb jener Gewichtsgrenzen, die ab 1973 als Mindestgewichte vorgeschrieben sein werden. Die 250er wiegt also nur wenig mehr als 90 Kilogramm, die 388er bringt derzeit „weniger als 100 Kilo" auf die Waage. Nicht ganz klar zu beantworten ist derzeit noch die Frage, wann Puch mit der Serienfabrikation der beiden neuen Typen beginnen kann. Zwar befasst man sich bereits intensiv mit den Problemen des Bereitstellens der für den Serienbau erforderlichen Vorrichtungen, doch ob man heuer noch mit dem Serienbau anlaufen kann, weiß selbst die Firmenleitung noch nicht. Fest steht nur, dass beide Typen sowohl in einer Moto Cross-Ausführung als auch in einer straßentauglichen Version als „Trail Bike" zum Verkauf angeboten werden sollen. Johannes Czernin das Motorrad, Heft 12, 17.Juni 1972 |
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Quelle |

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Dieser Artikel Stammt aus dem Magazin: Das Motorrad Heft 12, 1972 Aus dem Archiv von: Webermichl |
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