Aywaille - zu Besuch beim Osterküken

Der Osterhase hatte bei uns genug zu tun,
in Belgien bringt das Osterküken die
Geschenke…

Classic Clubman Trial, 11.-12. April 2009

Bericht: Alfred

Traditionell zu Ostern, vom 11.-12. April 2009, veranstaltete der Royale Ligue Motoriste Ourthe Amblève a.s.b., oder kurz R.L.M.O.A das 15. Classic Clubman Trial in Aywaille in Belgien. Dieser Bewerb bildet auch den Auftakt zur Classic-Trial Euro-Cup Saison 2009.

Am Fuße der Ardennen , am Ufer der Amel gelegen, befindet sich der Start im Vorort Remouchamps, direkt beim Gemeindehaus. Aywaille ist eine Kleinstadt mit ca. 11.000 Einwohnern und ca. 45 Autominuten von Lüttich entfernt.

Behördliche Auflagen

Seiner großen Beliebtheit bei vielen Teilnehmern erfreut sich der Bewerb unter anderem auch deshalb, weil zwei große Runden mit insgesamt ca. 35 km zu absolvieren sind. Das war aber in diesen Jahr auch ein Grund der zu vielen Diskussionen und Fragen unter den Teilnehmern führte. Da die Zwischenstrecke über den Hauptplatz, vorbei an die bereits vor 8000 Jahren von Menschen bewohnten Grotten von Remouchamps über öffentliche Straßen führte, mussten alle teilnehmenden Motorräder angemeldet sein und über ein behördliches Kennzeichen verfügen. Die Kennzeichennummer musste auch am Nennformular bekannt gegeben werden. Trotz dieser Hürden starteten am Samstag 248 Teilnehmer und jedes Motorrad hatte ein Kennzeichen. Als Erinnerung erhielt jeder Fahrer auch ein schönes T-Shirt mit R.L.M.O.A.-Aufdruck als Erinnerungsstück.

Bei etwas kühlem aber sonnigem Wetter startete der Bewerb am Samstag. Der Start führte über eine Rampe, an der jeder Teilnehmer per Platzsprecher namentlich vorgestellt wurde, seine Punktekarte erhielt und im 30 Sekundentakt gestartet wurde. Während die ersten Teilnehmer bereits zu den Sektionen fuhren, genossen andere noch gemütlich Tee oder Kaffee im Fahrerlager. Durch dieses Auseinanderziehen des Starterfeldes sowie der großen Runde, gab es kaum Staus vor den Sektionen.

Erich Diestinger (Foto: Wagner)

Langer Rundkurs

Nach ca. einem Kilometer führte die gut beschilderte Zwischenstrecke rechts ab von der Hauptstraße eine enge Seitenstraße entlang zur ersten Sektion. Diese forderte so manchem Fahrer Mut und Respekt ab, musste doch eine griffige aber doch unangenehm schräg am Hang liegende Betonplatte passiert werden um abschließend eine Auffahrt hoch zu fahren, die mit den typischen und lose liegenden Schieferplattensteinen garniert war. Dabei handelt es sich um kantige Bruchsteine, die sehr lose sind und deshalb wenig Grip ermöglichen. In den Waldsektionen wurde dieser Untergrund zunehmend rutschiger, nachdem die Motorräder Wasser und Erde auf den Steinen verteilten.

Die ersten vier Sektionen befanden sich in einem ehemaligen Steinbruch-Areal. Der Untergrund war daher steinig bzw. felsig. In Sektion fünf war schon mit interessanten Wurzelpassagen garniert. Die losen Schiefersteine blieben ein Kriterium über den ganzen Kurs hinweg.

Elite des Klassik-Trials

Uli Rührupp, Montesa, Spur blau

Bereits der Auftakt zeigte das hohe Trialverständnis der Sektionsbauer. Weit angelegte Sektionen mit vielen schönen Wenden, Anstiegen und Abfahrten erforderten eine präzise Fahrweise. Das Fehlen von einzelnen Höchstschwierigkeiten reduzierten Risiko für Fahrer und Motorrad und machten den Kurs bis zur Spur Gelb für die Experten trotzdem noch PRE65-geeignet. Hier zeigte sich die große Erfahrung der Veranstalter, da trotzdem auch die Top-Fahrer wie Martyn Wilmore, Charles Coutard, Eddy Zels, Günter Ruttloff oder Reiner Frauen ausreichend Fehlerpunkte kassierten.

Um auch den vielen Top-Fahrern in der Twinshock-Klasse ausreichend Unterhaltung zu bieten, wurde auch eine Spur Blau „International gesteckt, die äußerst selektiv war, was sich auch an den Punktezahlen dokumentierte: Der Belgier Jord Vandekasteele gewann mit 27 Punkten, vor David Zels 28. Aufgrund dieser zusätzlichen Spur, konnte der Level in der Expert-Klasse auf ein anspruchsvolles PRE65-Niveau gehalten werden, während für die blaue Spur tatsächlich fortgeschrittene Fahrttechnik erforderlich war, wie auch die Punkteskala der Fahrer belegte. Gefahren wurde insgesamt in vier Spuren:
International (Blau): Nur für Twinschocker
Expert (gelb): Für Pre65, Pre78, Twinshocker
National (rot): Für Pre65, Pre78, Twinshocker
Randonneur (grün): Für Pre65, Pre78, Twinshocker

Zweigeteilte Runde

Ernst Stampfli, Schweiz auf Montesa

Nach den ersten fünf Abschnitten konnten die Teilnehmer erstmals eine lange Zwischenetappe mit schönem Ausblick auf die umliegende Hügellandschaft genießen. Die Sektion sechs lag direkt unter einer Autobahnbrücke. Aufgrund dieser „Überdachung“ war der Boden staubtrocken und sandig. Eine kurvige Auffahrt im Hang erforderten eine saubere Fahrtechnik auf dem losen Boden.

Danach ging es wieder zurück, an Start und Ziel vorbei zum zweiten Teil des Rundkurses, der gleich mit einer langen Zwischenstrecke begann. Dabei wurde auf schmalen Asphaltstrasse, auf Schotterpisten und Waldwegen gefahren. Die Grundcharakteristik der Sektionen blieb weiterhin unverändert. Kurven, die schön mit Zug gefahren werden konnten, kombiniert mit unterhaltsamen Auf- und Abfahrten. Lediglich in Sektion 10 waren einige Fahrer der Grünen Spur (Randonneur) sichtlich überfordert, galt es eine steile und bereits mit einer tiefen Rille ausgefahrenen Böschung hinunter zu fahren. Ein Baumstumpf, der am Ende der Abfahrt rechts zu umfahren war, erforderte für einige Fahrer viel Überwindung und stellte die einzig sicherheitsmäßig fragwürdige Passage (für manche Fahrer der grünen Spur) im ganzen Bewerb dar.

Dafür wurden alle Fahrer mit der extra langen Abschluss-Sektion 13 belohnt, bei der es ordentlich ins Gelände ging.

Lerne das Land mit dem Gaumen kennen!

Rob Petiet, NL auf Matchless Rigid

Trial in Belgien heißt aber auch, sich beim naheliegenden Verkaufsstand eine Portion „Frittes“ zu holen. Die mitgebrachte Portion „britischer“ Gelassenheit sollte dabei ebenso groß sein, wie die verkauften Tüten mit „Frittes“. Gut Ding will Weile brauchen. An dieser Stelle ist auch eine kleine Bierkunde angebracht: Wer die Finger von Bier „blonde“ (=hell) läßt und sich das Bier „bruin“ (=dunkel) bestellt, bleibt auch bei etwas größerem Durst am nächsten Tag ohne kopfschmerzlichem Andenken an den Vortag. So berichtet zumindest die Mär im Fahrerlager.

Wie am Samstag nahmen die Veranstalter auch am Sonntag wenig Rücksicht auf Langschläfer und starteten den Bewerb bereits um 09:00 Uhr. Der Rundkurs sowie die Sektionen blieben unverändert. Was auch kein Problem war, da trotzdem jede Sektion insgesamt nur vier Mal befahren wurde. Das sonnige und perfekte Trial-Wetter in den Ardennen hielt auch am zweiten Bewerbstag an.

Wenn die Punkterichter rasten, warten die Fahrer

Riesiges Starterfeld

160 Teilnehmer (!!!) kamen in die Zweitages-Abschlußwertung. Am ersten Tag, nahmen über 240 Fahrer am Bewerb teil. 51 Teilnehmer aus Belgien zeigten, wie populär das Klassik-Trial im Land des ehemaligen dreifach-Weltmeister Eddy Lejeune ist. Aber auch 22 Fahrer aus Großbritannien ließen sich diese traditionelle Veranstaltung nicht entgehen.

Nationenspiegel:
Belgien: 51
Deutschland: 33
Niederlande: 29
Groß Britannien: 22
Frankreich: 18
Schweiz: 3
Österreich: 2
Italien: 1
Dänemark: 1

Die besten Fahrer der jeweiligen Spuren waren:

Alfred

International (blau):

Jord Vandekasteele Twinshock Honda B 27 Pkt.
David Zels Twinshock Honda B 28 Pkt.
Mathieu Feidt Twinshock Honda F 30 Pkt.

Expert (gelb):

Martin Wilmore PRE65 BSA GB 5 Pkt.
Robert Triffaux PRE78 Yamaha F 6 Pkt.
Eric Verkenne PRE78 Yamaha B 8 Pkt.

National (rot):

Victor Gigot Twinshock Fantic B 3 Pkt.
Jean-Pierre Mullie PRE78 Yamaha B 6 Pkt.
Jon Bliss Twinshock Cottwold GB 8 Pkt.

Randonneur (grün):

Danny Booker PRE78 Kawasaki GB 4 Pkt.
Roland Gabriel Twinshock Montesa B 4 Pkt.
Albert Bott Twinshock Honda D 5 Pkt.
Gust Vervoort Twinshock Honda D 5 Pkt.

Alfred und Erich auf ihren Mopeds

Österreichfenster:

Mit Erich Diestinger und Alfred Wagner waren zwei Österreicher am Bewerb vertreten. Nach seiner schweren Augenoperation startete Erich Diestinger auf Bultaco aus Gründen der Vorsicht in der Klasse Twinshock, Spur Randonneur und belegte mit 21 Punkten den neunten Platz. Alfred Wagner auf SWM belegte in der Klasse Twinshock, Spur Expert mit 43 Punkten ebenso einen neunten Platz.

Ein besonderer Dank gilt Bernhard Weichenberger, Ebenau sowie Willi Klaudus, Oeynhausen, die mit Ihrer Unterstützung wesentlich an der erfolgreichen Teilnahme der beiden Fahrer beitrugen.

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Zum Thema:


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Aywaille

 
 

Dieser Artikel

by
Alfred Wagner


Fotos:
Wagner
Diestinger
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