Old Trial Cup in Caglio

Wenn der Frühling nicht mehr weit ist…

20. März 2009 - Winter im Inntal    Canzo Bilderbuch >>

Bericht: Alfred

Der März neigte sich bereits dem Ende zu. Wieder einmal hatte der Winter den Frühling außer Gefecht gesetzt. Seit Wochen gab es keinen schönen Sonnentag mehr. Der kalte Westwind blies über die Stadt hinweg.

Da gab es nur eines: Anhänger mit Moped ans Auto und ab Richtung Süden: zum traditionellen „Old Trial Cup“ in Caglio, veranstaltet vom MC Canzo am Como See. Nach zwei Stunden Fahrt wurde das Motorrad sowie die Ausstattung in den Kastenwagen von Heinz Scherzer umgeladen und gemeinsam ging es trotz schlechter Wetterprognose über das deutsche Eck durch Tirol. Im unteren Inntal empfing uns eine weiße Winterlandschaft mit Neuschnee, sogar auf der Autobahn.

Las Vegas - äh, nein: St. Moritz   Canzo Bilderbuch >>

Es ist genug!

Wir schrieben schon den 20. März, und wir freuten wir uns schon auf das erste Grün in der Landschaft! Die Strecke von Landeck hinauf bis St. Moritz in der Schweiz war problemlos zu fahren, aber im Bereich der ehemaligen Schi-WM-Ortschaft gab es auf ca. 1800m Seehöhe neben der Straße noch teilweise über einen Meter Schnee. Kaum hatten wir aber die steile und kurvenreiche Abfahrt vom Malojapass hinter uns gelassen, hatte der Winter sein Zepter bereits an den Frühling abgegeben. Die Wiesen wurden binnen weniger Minuten Autofahrt Richtung Como See immer grüner. Goldregen und Co brachten die ersten Farbtupfer in die Landschaft. Es war herrlich sonnig.

Pause mit einem treuen Freund, Fantic 200 mit Franz Sommerauer,
im Hintergrund: Heinz Scherzer

Die blaue Seite der Macht

Auf der Abfahrt vom Malojapass bemerkte Heinz einen blauen VW-Bus hinter uns mit einem, uns wohl bekanntem Aufdruck: „1. Europäisches Trialmuseum“. Hartwig Kamarad (bereits zum 11. Mal in Caglio) mit den Mitarbeitern in seinem „Trialgarten“ Michael Ruschak und Manfred Mittendorfer waren auch gerade am Weg in den Süden. Hans Haigermoser, Bernhard Weichenberger, Franz Sommerauer und der erfolgreichste österreichische Trial- WM-Teilnehmer Joe Wallmann fuhren über die Autobahn über Monza und vervollständigten die neunköpfige österreichische Delegation.

Die Ohlsdorf-Connection bei Pannini con Prosciuto:
v.l.n.r. Michael Ruschak, Hartwig Kamarad, Manfred Mittendorfer

Caglio

Der Como See befindet sich ca. 45 Autofahrminuten nördlich von Mailand und ist rundum flankiert von steilen Berghängen. Die äußere Form des Sees erinnert an einen Mercedes-Stern. In der Mitte des südlichen Landzipfels liegt auf ca. 800 m Seehöhe das kleine Bergdorf Caglio, unweit von Canzo. Der ehemalige Trial-WM-Ort Erba liegt nur unweit entfernt. Twinshock-Fans verbinden mit dem Como See die ehemalige Fertigungsstätte von Fantic in Barzago.

Nach „alter Kamarad-Tradition“ mieteten wir uns alle im Hotel San Valeria ein, das für diesen Bewerb separat öffnete.

Beschäftigungstherapie vor dem Start   Canzo Bilderbuch >>

Endlich Samstag!

Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen empfingen uns am Morgen. Geschäftiges Treiben setzte ein, als die Mopeds ausgeladen, vorbereitet, sowie die Adjustierung nochmals gecheckt wurde. Nach und nach trafen auch weitere Teilnehmer und treue Caglio-Fans ein. Unter anderem auch die Teams „Svizzera Uno“ mit Patrick Frei, Walter Frei und Ulrico Schmid sowie „Svizzera Due“ mit Edi Kämpfer, Ralph Kunz und Rene Ruf.

Der Start befand sich wieder mitten am Dorfplatz gegenüber der Dorfkirche. Der Empfehlung von Hartwig sollte man unbedingt Folge leisten und sich im Geschäft am Platz ein Panino con Prosciuto kaufen!

Triumph Tiger Cub

Die Auschreibung:

Der Bewerb war als Zwei-Tages-Trial ausgeschrieben. Am ersten Tag war die Strecke ca. 30 km lang und es waren 15 Sektionen zu bewältigen. Jede Sektion war dabei nur einmal zu befahren.

Am zweiten Tag war die Schrecke ca. 40 km lang und es waren 20 Sektionen vorbereitet. Wiederum hatte jeder Teilnehmer nur eine Möglichkeit pro Sektion!

Im Starterfeld fanden sich PRE65, Twinshocks, luftgekühlte Monoshocks, sowie moderne Monos bunt gemischt, jedoch verschiedenen Klassen gewertet.

1979er Fantic 125 am Start

Zwischenstrecke im Trial-Märchenland

Solo direttissima! Schottland auf italienisch!

Start Tag Eins:

Um ca. 13.00 Uhr wurde gestartet. Zunächst ging es der Straße entlang, aus dem Dorf hinaus. Die Strecke war mit großen Pfeilen und kurzen Bändchen entlang der Strecke ausgezeichnet markiert. Nach ca. zwei Kilometern auf der Straße ging es in den Wald. Die weitflächige Landschaft bot den Sektionsbauern schier unendliche Möglichkeiten. So begann der Bewerb mit einer schönen Waldsektion, in der es galt saubere Radien zu fahren. In der nächsten Sektion musste ein ausgetrocknetes Schotter-Bachbett mehrfach gequert werden um in der darauffolgenden Sektion einen Steilhang zu bewältigen… Den Teilnehmer wurde reichlich Abwechslung geboten.

Zwischen den Sektionen ging es immer wieder entlang von Wanderwegen und unterhaltsam zu fahrenden Hohlwegen den Bergen hoch und runter. Darin lag ein weiteres Kriterium in diesem Bewerb. Auch wenn man es auf der Zwischenstrecke gemütlich anging: steile Wanderwege rauf und runter, schmale Steige entlang der Hänge und zwischendurch auch kernige Trialpassagen erlaubten unterwegs kaum Ruhepausen. Teilnehmer sollten hier unbedingt etwas Trialerfahrung und auch Kondition alleine schon für die Zwischenstrecke mitbringen. Dies galt schon für die griffigen Bedingungen an diesem Wochenende und wäre um so mehr zu berücksichtigen gewesen, wenn die Verhältnisse schlechter gewesen wären. Diese Einschätzung wurde auch durch den Blick in die Ausschreibung untermauert. Für Twinshocks und Monos gab es keine „Easy“-Spur. Lediglich für PRE65 gab es eine erleichterte „weisse“ Spur.

Eine weitere Besonderheit an diesem Bewerb lag aber - wie auch bei den letzten Veranstaltungen - im weitläufigen Sektionsbau. Die Schwierigkeiten in den Sektionen gab das Gelände vor, dadurch fand man mit erstaunlich wenig Pfeilen das Auslangen. Ein ehemaliger Teilnehmer in Caglio beschrieb es wie folgt: „Es geht meist direkt von A nach B, und nicht darum wie man am besten dreimal um C herumfahren kann.“ Das ermöglichte auch eine Vielfalt von Spurinterpretationen. Beispielsweise führte eine Sektion, ein breites Bachbett entlang aufwärts. Loses Geröll mit Steinen und Felsen in allen Größen bestimmte den Untergrund. In der Expert-Spur musste zuerst das Bachbett gequert werden. Alleine diese Passage wurde auf vier völlig verschiedenen Spuren befahren, jede einzelne erlaubte auch eine Null. Die Anforderungen waren dabei aber völlig unterschiedlich: Der kürzeste Weg führte über einen ziemlich hohen Felsen der etwas Mut abverlangte, die längste Variante umfuhr die hohen Steine weiträumigen, war aber mit unregelmäßig großen Geröll-Brocken garniert und bescherte eine sehr unruhige Fahrt. Für jeden persönlichen Geschmack der Fahrer, eine passende Spur. Es gab keine Sektion in der Gefahr bestand, dass ein Lenkeinschlag nicht hätte reichen könnten. Alle Sektionen waren flüssig gesteckt und daher höchst unterhaltsam zu fahren.

Wurde einleitend die Beschriftung der Zwischenstrecke gelobt, muss an dieser Stelle hingewiesen werden, dass die Zufahrt zur Sektion Elf nur schwer zu erkennen war. Wer dieses „Hindernis“ aber erfolgreich bestand, wurde mit einer endlos erscheinenden Zwischenstrecke, die teilweise durch Schneefelder führte, belohnt. Kurz vor der Sektion Elf zeigte ein Schild mit einem Pfeil und der Aufschrift: „Punto Panoramico“ rechts einem Hügel hinauf. Die kurze und steile Auffahrt wurde mit einem wunderbaren Panorama, das fast rundum bis ins Tal reichte, vergolten.

Dinner

Das gemeinsame Abendessen zählte zu einem der weiteren Höhepunkte an diesem Wochenende. Im Hotel San Valeria trafen sich am Abend die Fahrer nochmals zu einem gemütlichen mehrgängigem Mahl. Nur die wenigsten Anwesenden konnten nachträglich noch sagen, wie viele Gänge serviert wurden, jedenfalls waren es mehr als ausreichend. Mit etwas Grappa und Rotwein konnte bei den Teilnehmern eventuelle Völlebeschwerden am nächsten Tag vermieden werden.

Weitere Bilder im: Canzo Bilderbuch >>

Schwieriger Auftakt zum Sonntag

Sonntag, es wurde schwerer

Auch am Sonntag konnten die Teilnehmer ausreichend Sonnenenergie tanken. Für den Bewerb war allerdings auf ausreichend Verpflegung und bei den modernen Motorrädern auch etwas Spritreserven zu achten. Immerhin galt es ca. 40km mit 20 Sektionen zu absolvieren. Um zehn Uhr starteten die Ersten. Gleich in der ersten Sektion zeigte sich, dass die Veranstalter den Level deutlich angezogen hatten. Ein schmaler Graben, steil und voll mit Geroll war zu bewältigen. Eine Sektion, bei der auch ein Einser bereits lautstark vom Publikum honoriert wurde und das galt für jede Spur. Mehrere knackige Passagen innerhalb einer Sektion veranlassten viele Teilnehmer, die Sektion genauer und auch etwas länger anzusehen. Trotz zeitversetztem Start fuhren die Teilnehmer durch ein Spalier von Zusehern. Es herrschte eine tolle Stimmung und das Ambiente erinnerten an große internationale Bewerbe.

Einige Sektionen waren teilweise völlig neu, einige Sektionsbereiche vom Samstag wurden auch am Sonntag befahren. Die gesteigerte Schwierigkeit am Sonntag war auch daraus erkennbar, dass die Spur „Clubman“ teilweise am Sonntag die selben Schwierigkeiten zu bewältigen hatte, die noch am Samstag die Fahrer der „Expert“-Spur absolvierten.

Am Gipfel angekommen:
v.l.n.r.: Hartwig Kamarad, Joe Wallmann (sitzend), Franz Sommerauer,
Bernhard Weichenberger, Michael Ruschak, Manfred Mittendorfer

Ein weiterer Highlight war der Zwischenstreckenabschnitt bis zu einem Berggipfel hinauf. Nach einem sehr steilen Waldeinstieg, an dem einige Fahrer ihre „Anschiebekondition“ überprüfen mussten, ging es einem Waldhang laufend kreuzend etliche Höhenmeter hinauf. Um nicht auf der Strecke liegen zu bleiben, musste permanent ordentlich am Lenker gezogen werden, um ausreichend Traktion auf das Hinterrad zu bekommen. Wenige Meter unter dem Gipfelkreuz lichtete sich der Wald plötzlich und die Mühe wurde mit einer grandiosen Fernsicht belohnt. Erschöpfung von der Auffahrt und Glückseligkeit über die herrliche Aussicht war den Gesichtern der Ankommenden deutlich abzulesen.

Vor den beiden letzten Sektionen des Tages gab es an einem Bauernhof wieder eine Jause mit Wurstsemmeln und Rotwein zur freien Entnahme, wofür man am Start einen Gutschein erhielt. Die letzten Kräfte konnten nochmals gesammelt und aktiviert werden.

Die Platzierungen:

Unsere Italienisch-Kenntnisse reichten nicht aus, um eine Erklärung zu finden, für wie viele Meisterschaftsserien jeweils eine Siegesfeier abgehalten wurde. Fakt war, dass etliche Fahrer mehrfach am Siegespodest standen und Pokal- und Sachpreise in Form von Motorradzubehör oder Salami in verschiedenen Größen sammeln konnten. Die Fahrer aus der Schweiz und aus Österreich schienen nicht in den Ergebnislisten auf, aber Walter Frei aus der Schweiz erreichte in der Klasse PRE65 den ersten Platz und Hans Haigermoser aus Österreich in der Klasse Twinshock, Spur Clubman den dritten Platz. Weitere Platzierungen sind bis dato nicht bekannt.

Team Austria v.l.n.r.: Heinz Scherzer, Manfred Mittendorfer, Alfred Wagner, Hans Haigermoser, Franz Sommerauer, Bernhard Weichenberger, Hartwig Kamarad, Michael Ruschak

Nicht nur ein anspruchsvolles Trial!

Blick auf den Lago di Como

Der Bewerb in Caglio sollte aber nicht nur von der rein sportlichen Seite aus gesehen werden. Schwierige Trials gibt es sicher auch wo anders. In Italien gehört aber gutes Essen, gutes Trinken, etwas Palaver mit viel Spaß, Oldtimermarkt und Gelände-Fahrmöglichkeiten, die wir ev. gerade noch aus unserer Jugend her kennen, zu einem anspruchsvollen Trial dazu! Wie kann die freundschaftlich und entspannte Atmosphäre besser beschrieben werden, als am Beispiel eines Teilnehmers der sich nur kurz hinlegte während sich der Zimmerkollege duschte, um dann sogar eine Stunde zu spät zum Essen zu kommen. Das alles gepaart mit einem Veranstalter, der es versteht Sektionen zu bauen, die das vorhandene Gelände wunderbar ausnutzen, das ist „Old Trial Cup“ in Caglio!

Als krönenden Abschluss lotste uns Hartwig Kamarad bei der Rückreise am Montag bei strahlendem Sonnenschein über einen Abschneider in Richtung der Ortschaft Bellagio eine schmale Panaoramastrasse hinunter zum Como See und über eine schmale Küstenstrasse zurück nach Lecco. Hinter jeder Kehre bot sich ein Panorama, idyllisch wie aus dem Bilderbuch.

Leider hielt das Schönwetter bei der Rückfahrt nicht. Kaum daheim angekommen, blies wieder heftiger Wind und die Scheibenwischer hatten fleissig zu tun…

Es ist genug! Ich will wieder in den Süden!

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Zum Thema:


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Caglio

Caglio liegt ca. 45 Autominuten nördlich von Mailand und ist ein ca. 370 Einwohner zählendes Bergdorf. Auf 800m Seehöhe  haben viele wohlhabende Mailänder ihre Ferienhäuser errichtet. Sie stehen aber zu dieser Jahreszeit leer. Das Dorf scheint wie verlassen. Auch das Hotel, in dem die Fahrer untergebracht werden, sperrt extra für dieses Wochenende seine Pforten auf.

Caglio

Dieser Artikel

by
Alfred Wagner


Fotos:
Joe Wallmann,
Michael,
Alfred


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