Jersey Trial  2009

Two days Jersey Trial 7.-8. März 2009

Jersey, Samstag, Anfahrt zur Sektion 1 (Foto: Siebenhaar)

Bericht: Alfred

Ein Bericht im Trialsport-Magazin über das Two days Jersey-Trial vom Klassiktrial-Spezialisten Michael Ernst im Vorjahr lenkte erstmals meine Aufmerksamkeit in Richtung der Kanal-Insel. Als Michael im November 2008 in Trialforum.de den Termin postete und nach Mitfahrern suchte, stand für mich fest: „Da will ich hin!“

Anreise

Michael Ernst darf mit vollem Respekt als „alter Hase“ in Bezug auf Jersey-Trials bezeichnet werden. Hat er doch seit dem ersten Trial Jahr 2004, nur einmal seine Teilnahme absagen müssen. Er bot eine Mitfahrgelegenheit ab Witten für zwei weitere Teilnehmer an. Die Abreise sollte Mittwoch , 5. März abends erfolgen. Die ca. 900 km sollten in Nachtfahrt durch Belgien und Frankreich absolviert werden, um am Donnerstag mit der 6.00 Uhr Fähre auf die Insel zu gelangen. Donnerstag Ruhe und Insel besichtigen, Freitag Treffen mit den weiteren Teilnehmern, Samstag und Sonntag Bewerb, Montag nachmittags Rückfahrt mit der Fähre und bis Dienstag früh mit dem Auto nach Witten. So wurde die Fahrt von Michael Ernst geplant. Werner Siebenhaar aus Bargteheide, sowie Alfred Wagner aus Wien machten von diesem Angebot Gebrauch.

Die „Reiseleitung“ bereitete alles perfekt vor, von der Fähr- und Hotelbuchung bis hin zur Anmeldung zum Bewerb und versorgte er die Teilnehmer auch mit wertvollen Tipps. So wurde dringend empfohlen, eine komplette zweite Garnitur Trialkleidung (inkl. Stiefel), warme Unterwäsche oder auch eine Brille für die Zwischenstrecke mitzunehmen. Außerdem wurde auch darauf verwiesen, dass im Vorjahr die Fähre vier Tage lang nicht fuhr, weshalb für ausreichend Ersatzwäsche gesorgt werden sollte. An dieser Stelle sei vorweg genommen: Jeder der Ratschläge war Gold wert!

Während Werner Siebenhaar die fünfstündige Autofahrt zum Treffpunkt in Witten Mittwoch früh antrat, startete Alfred Wagner vom ca. 1000km entfernten Wien bereits am Dienstag und machte in der Nähe von Salzburg noch einen Abstecher, um sich mit Ersatz-Trial-Bekleidung zu versorgen.

Da die Chemie in der bunt zusammengewürfelten Fahrgemeinschaft sofort stimmte, war die Fahrt nach St. Malo eher als kurzweiliger Unterhaltungsabend denn als lange Reise zu bezeichnen.

Zur Erinnerung: Jersey ist nicht EU. Daher gab es sowohl beim Boarden in St. Malo als auch bei der Ankunft auf Jersey Zollformalitäten zu erledigen. In Jersey über den Grund der Einreise in strengen Beamtenton gefragt, antwortete Michael, dass wir am Zweitagestrial teilnehmen wollten. Die Zollbeamtin begann zu freundlich zu lächeln, kommentierte: „Super!“ und winkte uns weiter. Da wir noch viel zu früh für das Checkin im Hotel ankamen, führte Michael die Gruppe in den süd-östlichen Teil der Insel und zeigte auch schon einige Sektionsplätze.

Am Freitag kamen noch Roberto Visconti mit seiner Frau Mirella sowie Sohn Andrea aus Italien sowie Bruce Watts, der wieder extra aus Südafrika anreiste dazu und vervollständigten die „overseas-group Michael Ernst“. Mit Günter Ruttloff wurde das Team aus Deutschland zusätzlich hochkarätig verstärkt.

Sonntag, Sektion 9 (Foto: Siebenhaar)

Jersey Classic und Modern Trials Club

Im Sinne des Clubnamens „Jersey Classic and Modern Trials Club“ war es naheliegend und auch logisch, dass die Veranstaltung sowohl für Classic- als auch für Modern-Trials ausgeschrieben wurde. Der Sektionsbau war prinzipiell als „klassisch“ zu bezeichnen, obwohl oder vermutlich auch gerade deshalb die Kollegen mit den modernen Geräten ausreichend Füße setzten.

Etwas gewöhnungsbedürftig für den geübten mitteleuropäischen „Band-Sektions-Fahrer“ war der Sektionsbau und die Spurführung. Absperrbänder wurden ausschließlich dazu verwendet, um eine ungewollte Spurerleichterung zu verhindern. Sonst begrenzten nur Pfeile und natürliche Hindernisse die Sektionen. Aber die Pfeile richtig zu deuten, bedurfte wieder etwas an Erfahrung oder etwas Unterhaltung mit den freundlichen und hilfsbereiten Observers. Die gelben Pfeile markieren die Easy-Route, die weißen Pfeile die Premier-Route für Classik-Bikes. Also für die Fortgeschrittenen in der Klassik-Spur hieß das: Gelb ist verboten weiß ist richtig. Gibt es aber keine weißen Pfeile, so ist die nächst höhere Spurfarbe der Spuren für die modernen Klassen (Blau und in weiterer Folge Rot) zu durchfahren. Prinzipiell sind die Sektionen mit roten Pfeilen begrenzt. Alles klar? Wenn nicht, die Observer sind wirklich hilfsbereit und man hat das System bald durchschaut.

Tim Britton (Foto: Wagner)

Samstag

Das Wetter war unbeständig. Nach der Wetterprognose für das Wochenende befragt, verzogen die meisten Leute skeptisch die Miene. So schüttete es auch in der Nacht auf Samstag wie aus Kübeln. Aber bereits zum Frühstück kam die Sonne raus und eine Stunde vor dem Start gab es herrliches Wetter.

Mit Mike Gaunt und Steve Sounders befanden sich zwei international bekannte Teilnehmer im Starterfeld. Mit etwas Wehmut musste aber zur Kenntnis genommen werden, dass der im Vorjahr anwesende Mick Andrews in diesem Jahr nicht da war.

15 Sektionen waren auf 5 Sektionsgruppen verteilt, die viermal zu durchfahren waren. Die großzügige Zeitvorgabe von sechs Stunden nahm Rücksicht auf die viele Sektionen und die lange Zwischenstrecke. Am Ende des Tages zeigte der Tacho von Roberto Viscontis Triumpf Tiger Cub 35 gefahrene Meilen (ca. 56km) an. Um Staus zu vermeiden, starteten die Fahrer in Klassen aufgeteilt an unterschiedlichen Sektionsgruppen. Da keine Runden-Punktekarten verteilt wurden und die Observer die Fehlerpunkte in eine eigene Liste eintrugen, konnte die Runde immer weiter gefahren werden und erst in der letzten Runde wurden die noch fehlenden Sektionen nachgeholt.

Die nachfolgende Sektionsbeschreibung kann nur aus der persönlichen Perspektive und für die Premier-Spur dargestellt werden und soll ein wenig den Charakter des Trials vermitteln. Die sogenannte Easy-Spur verlief vielenorts gleich, jedoch wurden einige Hindernisse ausgespart. Generell ist zu sagen, dass die Premier mit der Expert-Spur (=Gelb) und die sog. Easy-Spur mit der Spur Clubman (=Rot bzw. eher Weiss) im D-Cup bzw. Euro-Cup verglichen werden kann.

Zu den Sektionen Eins bis Drei führte ein schmaler Wandersteig den steilen Hang in nahezu Fall-Linie herunter. Einige Teilnehmer nahmen dies all zu wörtlich und waren teilweise schon vor der ersten Sektion gezwungen, Ihre Motorräder zu bergen, da an einer Engstelle ein tückischer Ast die Durchfahrt noch zusätzlich erschwerte und so manchem (wie auch dem Autor) den Lenker verschlug.

Sektion Eins war in einen Hang mit freiliegenden Felsen und schwarzer, mulchartiger Erde angelegt. Inselneuline – wie eben der Autor selbst- unterschätzen die harmlos wirkende Sektion und vor allem den geringen Grip. „Take Five“ hieß es leider nicht nur bei Dave Brubeck.

Bruce Watts in Sektion 7 (Foto: Siebenhaar)

Trial-Knigge I

Von den erfahrenen England-Trialern bzw. von den Einheimischen Fahrern lernt man auch rasch, was gutes „Trialfahrerbenehmen“ ist. Kaum jemand fährt von einer Sektion weg, ohne sich zu bedanken: „Thank You for observing!“

Die Charakteristik von Sektion Zwei ist in unseren Breiten leider kaum mehr zu finden. Eine steile Böschungsabfahrt führte in ein ca. fünf Meter tief eingeschnittenes Bachbett. Über Geröll geht es dem Bach hoch um im engen Bachbett zuerst vor einem Felsblock enge Rechtskurve und dann um den Stein links herum zu fahren. Immer auf den typischen Rundlingen. Zum Abschluß ging es dann auf der anderen Böschungseite hoch. Der Frust von Sektion Eins war gleich wieder verblasen, nachdem der Observer ein herzliches „Super!“ nachrief.

Sektion Drei lag wieder in einem etwas steileren Hang . Nach zwei Kehren musste für eine Null-Durchfahrt ein hoher Stein direkt überquert werden, dem dann gleich einige unangenehm hohe Steingruppen folgten. Dies überstanden galt es nach einer 90° Rechtskurve eine unangenehme Stufe zu bewältigen. Ein wilder Abflug von Günter Ruttloffs Jawa an dem hohen Stein bestätigte meine Entscheidung, die Sicherheitsspur zu wählen, den Stein zu umfahren, aber sich dafür vier Mal eine Drei eintragen lassen zu müssen. Der guten Ordnung wegen ist hier aber anzumerken, dass Ruttloff diese Sektion aber auch nullte. Hire or fire, für jene, die auf Sieg fuhren.

Devils Hole (Foto: Wagner)

Trial-Knigge II

Die Zwischenstrecke führte über öffentliche Gemeindestraßen wieder die Steilküste hinauf. Aus diesem Grund hatten auch alle Motorräder ein Nummernschild hinten montiert oder das Kennzeichen handschriftlich am hinteren Kotflügel notiert. Bereits bei der Fahrerbesprechung wies der Veranstalter Graham du Feu darauf hin, dass die Speed-Limits strikt einzuhalten sind, was die Polizei auch prüfen würde. Außerdem erinnerte Du Feu auch daran, dass am Wochenende viele Reiter unterwegs sein würden, und dass auf diese besonders Rücksicht genommen werden sollte. Es galt als selbstverständlich, dass alle Trial-Teilnehmer bei einer Begegnung mit einem Reiter links ran fuhren, die Motorräder frühzeitig abstellten und warteten bis der Reiter vorbei war. Die Motorräder wurden erst gestartet, nachdem Pferd und Reiter einen ausreichenden Abstand hatten, um zu vermeiden, dass das Pferd bei einer eventuellen Fehlzündung des Motorrades erschreckt werden würde. Alle Reiter bedankten sich auch für dieses Verhalten der Trialfahrer. Reiter wurden weder von Motorrädern noch von Autos überholt. Man fuhr einfach mit ausreichendem Abstand hinten her. Dieses Verhalten konnte mehrfach beobachtet werden. Eine Stimmung des toleranten und respektvollen Nebeneinanders war deutlich wahrzunehmen. Beneidenswert!

Sektion Vier erinnerte an so manche Sektionen aus D- bzw. Euro-Cup. Ein kleines Rinnsal sorgte für rutschingen Untergrund in den Kehren und Auffahrten.

Sektion Fünf und Sechs sorgten wieder für ein sauberes Moped. Beide führten fast unmittelbar nacheinander Bachbett hinauf, wieder über die typischen Rundsteine. Wer hier ordentlich am Moped stand und sich nicht unnötig herumspielte, behielt weiterhin trockene Stiefel.

Nur unweit entfernt lag die Sektion Sieben. In einer Mulde ging es über schöne Kehren einen Waldhang rauf und runter. Eine einfache aber schön zu fahrende Sektion, die wieder heimatliche Erinnerungen wach werden ließ. An dieser Stelle beobachte ich einmal Bruce Watts auf seiner BSA B40, die er gerade erst übernommen hatte und erstmals in einem Bewerb einsetzte. Hier scheint sich eine wunderbare Freundschaft anzubahnen. Frei von jedweder Unruhe zog Bruce auf der BSA seine Spuren und nullte souverän.

Auf der darauf folgenden Zwischenstrecke durfte ordentlich Moped gefahren werden. Auf asphaltierten Gemeindestraßen führte eine lange Zwischenstrecke, die auch ausgezeichnet ausgeschildert war, zur nächsten Sektionsgruppe.

Die Sektionen Acht und Neun lagen unmittelbar nebeneinander in einem kleinen Wald. Das Ende der Sektion Neun führte eine steile Ausfahrt hoch. Mit dem Gefühl, dass man mitten im Wald sei, ging man beim Besichtigen den Hang hoch und erreichte eine klein Ebene, die unvermutet und tolles Panorama bot. Keine Fünf Meter von der Ausfahrt der Sektion, ging es steil bergab zu Küste und man blickte über eine Bucht hinweg auf das Meer.

Als ich diese Aussicht fasziniert genoss, kam gerade ein Teilnehmer auf einer Bultaco, mit dem ich mich schon vorher etwas unterhalten hatte, aus der Sektion und stoppte neben mir. Ich sprach ihn gleich an und meinte: „Is’nt it a fantastic panorama?“ Worauf er freundlich grinsend antwortete: „Yes, look here on the right sight, this is my house…“

Wie auch die darauffolgende Sektion Zehn gab es in den vorigen beiden Abschnitten einen trockenem und griffigen Untergrund. Steinstufen, Baumquerungen und mit schönen Kehren in den bzw. vom Hang weg waren die Kriterien.

Die Sektionen Elf bis 15 zeigten, warum die Briten exzellente Trialer sind, wenn es „very slippery“ wird. In der Elf durfte man aus einem Bachbett heraus einen schmierigen Hang hoch fahren. Die Zwölf war eine Kurvenkombination mit zwei Baumquerungen auf schmierigem Untergrund. In der Dreizehn gab es zwei wunderschön zu fahrende Kehren im Steilhang. Die Vierzehn bot wieder Ab- und Auffahrten kombiert mit Kurven zwischen Baumstämmen und Wurzeln. In der abschließenden Sektion 15 wurden das Konditionsaufbauprogramm von manchen Fahrern auf die Probe gestellt. Nach einer kurzen Böschungsabfahrt und einer Bachquerung mußte nach wenigen Metern der Bach nochmals nach rechts gequert und die Böschung hochgefahren werden. Danach befand sich ein tiefes und langes Schlammloch an dessen Ende eine Steilauffahrt zu bewältigen war. Mit der richtigen Linie war diese Sektion aber durchaus machbar. Dennoch bekam der Observer hier die eine oder andere unterhaltsame unfreiwillige Zugabe von Trialern zu sehen. Ausgerechnet hier traf ich das einzige Mal auf Roberto Visconti, der es wie im Vorjahr mit einer Triumph Tiger Cub probierte. Leider war die Auffahrt für Mann und Maschine zu rutschig. So konnte ich nur beim Sichern helfen.

Am Abend gab es im Hotel Savoy in St. Hellier ein gemeinschaftliches Abendessen der Fahrer und Punkterichter bzw. deren Angehörigen. Natürlich kam dabei der Spaß nicht zu kurz. Aber der Tag war lang und anstrengend. Daher wurde auch nicht lange gefeiert, am Sonntag sollten die Sektionen schwerer werden.

Auch der Himmel machte Sonntag (Foto: Siebenhaar)

Sonntag

Wer nächtens aufwachte, dem schwante Übles. Es goss wie aus Scheffeln. Aber gleich wie am Samstag, klärte es um die Frühstückszeit auf und vor dem Start herrschte wieder bestes Wetter.

Am Sonntag ging es in den Nordosten der Insel, vorbei am Flughafen. Das Fahrerlager lag im Bereich eines Steinbruch. Es waren 16 Sektionen zu absolvieren, aber nur drei Runden zu fahren. Trotzdem blieb das Zeitlimit bei sechs Stunden. Das Teilnehmerfeld wurde beim Start wieder auf verschiedene Sektionsgruppen aufgeteilt.

Die Sektion Eins lag gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Fahrerlager aus. Ein Rinnsal mußte abwärts entlang gefahren werden. Einen Fuß hier zu setzen war doppelt unangenehm. Erstens war die Sektion leicht, also waren das „verschenkte“ Punkte und zweites, war das Wasser stellenwiese knietief. Aufgrund einer Unachtsamkeit weiß dies der Autor dieser Zeilen leider allzu genau.

Die Sektion Zwei begann wenige Meter nach der Eins im gleichen Gewässer, allerdings musste dann der Bach schräg die Böschung hoch verlassen werden um dann gleich in einer Rechtskehre über eine Steintreppe und –Brücke (ohne Geländer) das Rinnsal zu überqueren. Die schräg angefahrenen Stufen waren technisch nicht schwer, aber dieses flaue Gefühl in der Magengrube, bei einem Fehler das Brückchen auf der anderen Seite runter zu purzeln, veranlasste doch jedesmal den Fuß zur Sicherung zu setzen. Die Sektion Drei führte einen Graben abwärts über zunehmend rutschiger werdende Steine, dienten aber letztendlich wohl nur dazu um für die darauf folgende Sektion die Stoßdämpfer warm zu fahren.

Panorama(Foto: Wagner)

The stream

In den Bach von Sektion Eins und Zwei mündete rechtwinkelig ein zweiter Bach. Das laute Rauschen kündigte das Gefälle sowie das viele Wasser an. Das Bachbett war mannstief in die Landschaft eingeschnitten, lose und große runden Steine, die immer wieder auch kleinere Wasserfälle bildeten, waren der Untergrund.

Während ich bei der Besichtigung der Sektion Vier wie die Katze am heißen Blechdach von einem Stein zum anderen hüpfte um mir keine nassen Füße zu holen, latschten die einheimischen Fahrer mitten durchs Wasser in der Fahrspur. „Die spinnen doch, die Briten!“. Die Kriterien der Sektion waren drei auf einander folgende Wasserfälle, und besonders die Ausfahrt. An einer Stelle bei der ein großer Felsen das Bachbett besonders verengte, musste unmittelbar danach an einer Felsplatte der Bach verlassen werden. Die Sektion war herrlich zu fahren. Jedem Fahrer zog es hier die Füße der Reihe nach herunter. Leider hatte ich bei der Ausfahrt nicht geprüft wie tief das Wasser war, bzw. wo unter Wasser die Steine tatsächlich lagen. Eine Fünf aufgrund der ungenauen Besichtung und trotzdem nasse Füße waren die Folge. „Die spinnen doch, die Anfänger!“

Die Sektion Fünf bot den Spezialisten gute Gelegenheit, sich von den Mitstreitern abzusetzen. Technisch anspruchsvolle Stein- bzw. Baumstammquerungen hangabwärts aus unangenehmen Situationen heraus, trennten die Spreu vom Weizen unter den Fahrern. Während die folgende Sektion Sechs wieder wunderbar zu fahrende Kehren hatte.

Nach einem kurzen Straßenstück ging es in die Sektion Sieben. Wieder ging es einen Bach hoch. Zweimal führten die Richtungspfeile über große Steinbrocken seitlich aus dem Bachbett hinaus und wieder zurück.

Hier traf ich auf Günter Ruttloff, der die Steine Millimeter genau fuhr. Da machte auch das Zusehen Spaß. In den Kernpassagen gab es für mich nichts zu gewinnen, daher galt es nur die „Höchststrafe“ zu vermeiden.

Wieder wenige hundert Meter weiter, ging es zur Sektion Acht. Eine schöne Waldsektion mit Wenden einem Hohlweg entlang, sowie einer kernigen Ausfahrt über einen rutschigen Baumstamm am Ende eines Steilhanges.

Eine lange Zwischenetappe führt wieder am Flughafen vorbei auf einen Hügel. Die Sektionen Neun, Zehn und Elf waren alle in Hanglage. Schon zu fahrende Kehren in den Hang über Fels-, Schotter- aber auch griffigem Erdboden waren zu absolvieren. Das Fehlen der Absperrbänder, das Fahren zwischen den Büschen weckten erinnerten an eine freien Trialwanderung. Den Abschluss dieser Sektionsgruppe bildeten die Doppelsektionen Zwölf und Dreizehn in einem Waldstück. Einige zu durchfahrende Schlammlöcher, bildeten das Kriterium und führten den folgenden Sektionen auch eine praktische Sinnhaftigkeit zu.

An dieser Stelle erlebe ich auch erstmals Werner Siebenhaar live in action. Äußerst körperbetont und aktiv wuchtete er seine NSU Maxi den Hang hoch. Ein Klassik-Trialer alter Schule! Zweimal eine Null, war der Lohn des Einsatzes.

Einfach Mopedfahren

Die Twinshocker starteten am Sonntag mit der Sektion Neun. Die ursprünglich geplante Fahrgemeinschaft mit Michael Ernst löste sich aufgrund seiner viel rascheren Sektionsbesichtigungen rasch auf. Was auch kein Problem war, da ich sonst in „Besichtigungsstress“ geraten wäre. So behielt ich meinen Rhythmus bei. Die Zwischenstrecke zwischen Sektion Dreizehn und Vierzehn war sehr lange. Ich fuhr gemütlich hinter einer schön knatternden Triumph Tiger Cub her und genoss das Mopedfahren, die Landschaft aber auch die rücksichtsvolle Mopedabstell-bei-Pferdebegegnungs-Zeremonie. Meine Gedanken gingen schon in die Richtung, dass ich gar nimmer Trialen, sondern einfach nur so locker weiterfahren wollte. Das sollte sich aber rasch ändern, als rote Richtungspfeile nach links zeigten. Gleich daneben stand ein öffentlicher Wegweiser , der in die gleiche Richtung zeigte und auf dem geschrieben stand: „Devils Hole“

Noch einmal Devils Hole (Foto: Wagner)

Devils Hole

Ein Schotterweg führte eine Talsohle entlang und nach einer Kuppe wurde sichtbar, dass es direkt in Richtung Küste ging. Wenige hundert Meter weiter, sah ich Michael Ernst ein Bachbett hochfahren, souverän blieben dabei seine Stiefel trocken und der Observer konnte eine weitere Null eintragen. Der Weg führte jedoch noch an einer zweiten Bachsektion vorbei bis man nach einer kurzen und steilen Abfahrt bis ans Ende der Steilküste kam. Kaum jemand fuhr beim ersten Mal bis hierher durch, ohne zwischendurch stehen zu bleiben und das wilde Panorama mit dem freien Blick von der Steilküste auf das Meer hinaus zu genießen.

Auf einem engen Plateau konnten die Mopeds gewendet und gegen den Hang gelehnt werden. Seitlich stürzte das Wasser eines Baches ca. 10m nahezu senkrecht über eine Felsplatte ins Meer. Wenige Meter oberhalb dieses Wasserfalls war die Einfahrt zur Sektion Vierzehn, die nur für die Fahrer der Klasse Premier zu fahren war. Der Bachverlauf machte zusätzliche Richtungspeile unnötig und durfte aufwärts befahren werden. Was in Sektion Vier schon als spektakulär erschien, wurde an dieser Stelle um ein Vielfaches getoppt. Günter Ruttloff, den ich hier wieder traf, meinte nur kurz: „Das ist Schottland!“ Alleine diese Sektion befahren zu dürfen, rechtfertigte für mich den ganzen Aufwand der An- und Abreise!

Die Sektionen 15 und 16 waren nur wenige Meter entfernt und führten ebenso den Bach hoch. Obwohl beide sehr schön waren, wurden sie doch von der Vierzehn deutlich in den Schatten gestellt. In jedem Fall war das Motorrad nach den Schlammlöchern von Zwölf und Dreizehn jetzt wieder sauber!

Während meiner Abschlußrunde setzte ein kurzer Regenschauer ein. In den Wassersektionen störte dies kaum, jedoch war ich auf der Zwischenstrecke heilfroh, dass ich dem Ratschlag von Michael befolgt habe und eine Motorradbrille am Helm befestigt hatte, so wie auch seine Tipps bezüglich ordentlich warmer Unterwäsche tatsächlich Gold wert waren. So verschwitzt man auch innerhalb der Sektionsgruppen war, so sehr kühlte man auf den Verbindungsstrecken aus.

Ergebnisse

Ein schnelles Eisen: Triumph Tiger 70 ISDT (Foto: Wagner)

Die vielen wunderbaren Eindrücke lassen beinahe vergessen, dass es sich um einen Bewerb handelte, der zum Schluss auch zu Endergebnissen führt.

Daher hier nun auch die wichtigsten Ergebnisse:

Allgemeine Klasse

Sieger: Steve Sounders

Pre 65 Premier:

Der Lokalmatator und Veranstalter Graham Du Feu (GBJ) auf Ariel (15 Pkt) nutzte den Heimvorteil ideal und siegte vor Günter Ruttloff (76 Punkte).

Pre 65 Easy:

Bruce Watts (RSA) wurde mit 44 Punkte Zweiter, vor Roberto Visconti (Ita) mit 125 Punkte und Werner Siebenhaar (Ger) wurde mit 173 Punkten vierter. Siebenhaar war auch der älteste Teilnehmer der Veranstaltung, der in die Zweitageswertung kam.

Twinshock Premier:

Alfred Wagner (Aut) erreichte mit 154 Punkten den sechsten Platz

Twinshock Easy:

Der Mastermind der Gruppe „Overseas Group“ Michael Ernst gewann die Klasse Easy mit 20 Fehlerpunkten und holte sich damit zusätzlich auch die Trophäe des besten „Overseas“.

(Vollständige Infos können unter www.jerseytrials.com  abgefragt werden.)

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass in diesem Bericht zu lesen war, dass „JEDER“ der Tipps von Michael Ernst wertvoll war. Er riet doch auch zu ausreichend Wäsche im Falle einer verzögerten Fähre! Roberto Visconti und seine Familie musste auch diesen Hinweis leider bei der Heimfahrt zur Kenntnis nehmen, da die Fähre am Sonntag aus widersprüchlichen Gründen nicht fuhr und die Fährgesellschaft auch für den darauffolgenden Montag vorerst keine fixe Buchung wegen Überfüllung garantieren wollten. Glücklicherweise, gab es am Montag doch noch Platz auf der Fähre für Robertos Wagen. Jersey-Reisende sollten sich also ein terminliches Hintertürchen offenlassen, für den Fall, dass sich einmal die Heimreise verzögert. Während Bruce Watts mit der Fähre nach England fuhr und von einer sehr unruhigen Überfahrt berichtete, konnte die Reisegruppe um Michael Ernst wie gebucht und ruhig die Überfahrt nach St. Malo antreten, und erreichte nach nächtlicher Rückfahrt um ca. 6:00 Uhr Witten.

Abschließen kann gesagt werden:

Der Bewerb in Jersey ist jedenfalls eine Reise wert.
… aber die Leute aus der Nachbarinsel Guernsey meinten, dass deren Bewerb (eine Woche vorher) noch besser sei! Hmmmm (…)

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Zum Thema:


[ Canzo 09 ]
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Jersey

Die Westküste der Normandie in Frankreich bildet einen Teil der Bucht von St. Malo. Ca. 20 km von der Küste vorgelagert, liegt Jersey, mit ca. 90.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Kanalinsel. Obwohl direkt der britischen Krone unterstellt und in militärischen Fragen durch Großbritannien vertreten, gehört Jersey weder zu Großbritannien noch zur EU. Der Namen der Hauptstadt St. Hellier, Straßen- und Gebäudebezeichnungen sind französisch, gesprochen wird jedoch englisch. Als Währung gilt der Jersey-Pound, von dem die Banknoten jedoch nur auf Jersey akzeptiert werden, obwohl er gleich wie der britische Pfund umgerechnet wird. Die Münzen unterscheiden sich nicht vom britischen Pence. Die 20 km entfernte Insel Guernsey hat übrigens mit dem Guernsey-Pound ein ähnliches Währungssystem.

Jersey

Dieser Artikel

by
Alfred Wagner


Fotos:
Siebenhaar, und
Wagner