High Noon beim Classic Trial in Ebenau (21.08. 2005)

Webermichls Anreise

Jetzt komme ich also doch mit einem Klassiker im Gepäck nach Ebenau. Seit ich meine Fantic 240 habe, war es klar, dass ich bei diesem Bewerb teilnehmen will. Ich wollte mit meinen sportlichen Idolen meiner Jugendjahre die gleiche Spur fahren und mein Bestes geben - das ist Ehrensache.

Ich bin am Freitag Abend in Ebenau angekommen. Da ich mit meinem Fantic-Wohnmobil die abenteuerliche Route über den Pötschenpass wählte (Anreise aus der Südweststeiermark), kam ich aus Richtung Bad Ischl nach Ebenau. Von dieser Seite fehlte mir der Hinweis darauf, dass man an Ebenau quasi vorbeifahren muss. Aber der erste Fußgänger wusste bescheid, und so fand ich auch gleich das Fahrerlager. Leider regnete es leicht, wie schon seit einer Woche, aber für die nächsten Tage war Sonnenschein prognostiziert.

Hallo alte Liebe

Im Fahrerlager war schon einiges los. Ich hatte kaum meine Fantic aus dem Wohnmobil geschoben, sah ich auf der anderen Straßenseite Martin Ehrenreich, wie er mit einer blauen Bultaco 350 spielt. Da bekanntlich alte Liebe nicht rostet, hab ich mich auf meinen Topf geschwungen und hab mit dem Martin kurz Moped getauscht. Es war Liebe auf dem ersten Dreh am Gasgriff - sanft wie ein Lamm, und doch dieser Dampf wenn man ihn abruft. Die Gaskontrolle ist unübertroffen. Der maximale Lenkeinschlag ist deutlich größer als bei der Fantic, und trotzdem schiebt sie nicht über das Vorderrad. Alles ist von Anfang an so vertraut!  Irgendwann will ich wieder eine Blaue fahren. Auch wenn das nutzbare Drehzahlband verdammt kurz ist.

Fahrerlager

Andrea und Gerhard Pegam kamen am Samstag Vormittag an. Nach der Begrüßung wurde ein geniales Klappzelt aufgestellt. Gerhard hat die italienische Maschine dabei, sein ÖM-Eisen ist ohnehin schon da, weil es bei Weichenberger in Reparatur war. Für mich hat er ein Geschenk mitgebracht: Die hintere Bremsplatte und die Schwingenlager - beides muss an meiner Maschine gewechselt werden.

Nun hat Gerhard aber noch ein Problem: Eines seiner Motorräder zickt bei der Gas-Annahme herum (die Italienerin) und die andere hat kaum Wirkung auf der Vorderrad-Bremse. Kurzerhand wird das Vorderrad der Italienerin in die ÖM-Maschine eingebaut, und umgekehrt.

Bild: Gerhard Pegam und bei den Vorbereitungen auf den Bewerb.

Classic Trial

Classic Trial ist anders. Da sind die Voraussetzungen für die Konkurrenten so unterschiedlich, dass die Leistungen kaum zu vergleichen sind. 20 Jahre Altersunterschied zwischen den Fahrzeugen oder den konkurrierenden Fahrern sind keine Seltenheit. Es fahren ehemalige WM-Fahrer gegen spätberufene Anfänger. Die Motorräder stammen aus dem Zeitraum zwischen den 50er Jahren bis 1985. Helmuth Hojas hat es sogar mit der Originalbereifung von 1985 versucht (Bild rechts)

Und eines ist klar - hier ist der richtige Platz für Leute, die das Miteinander vor das Gegeneinander stellen. Ob es bei der Sektionsbesichtigung mit Gerhard Pegam, Joe Wallmann oder Walther Luft war, oder beim gemeinsamen fahren mit Helmuth Hojas oder mit Walter Krassnitzer,  immer ging es freundschaftlich und locker zu. Immer hat sich der Eine für den Anderen mitgefreut, wen dem etwas schönes gelungen ist.

Bild: Joe Wallmann übt sich mit seiner 130 Kilo BSA im SUMO-TRIAL

Die Bedingungen

In einem überschaubaren Waldstück wurde eine eher kurze Runde auf idealem Untergrund angelegt. Ausgefahrenes Wurzelwerk, Kalkfelsen, eine Steilwand, sehr bewegtes Gelände  und sogar ein kleiner Bach stehen den Sektionsbauern zur Verfügung. Der Kalkboden erzeugte der herrschenden Feuchtigkeit ausreichend Grip.

Das Wetter hat sich auf die Veranstaltung eingestellt: Anfangs etwas Regen, dann trocknete es auf. Am zweiten Tag herrschte Sonnenschein bis fünf Minuten vor der Siegerehrung. Dann folgte ein Wolkenbruch mit drei Tagen Regenwetter im Schlepptau. Gut gemacht!

Bild: Walther Lufts Puch Spezial

die Organisation

Es wurden an beiden Tagen vier Runden mit acht Sektionen gefahren.  Das Spurendesign war perfekt. Der Sektionsbauer hat wunderschöne Linien in den Wald gezaubert, die keine Fallen für die oft schwerfälligen Oldies enthielten. Die Kurvenradien waren perfekt auf die Fahrtechnik mit dem Alteisen abgestimmt, und es gab keine wilden Steinstufen an dem man die Museumsstücke zu Schrott verarbeiten sollte.

Die Punkterichter waren mit Herz bei der Sache und ließen uns spüren, dass auch sie echte Trialfreunde sind und Freude an schöner (Fahr-) Technik haben. Im Falle von Diskussionen haben sie nie das Lächeln verloren.

Ich kann nur sagen, mir hat rundum alles gepasst. Besondere Freude hatte ich mit dem "Treffen der Trial Legenden". Foto: Fredl Wagner, Walter Krassnitzer, , Gerhard Pegam, Franz Seebacher (v.l.)

Treffen der Trial Legenden

Hartwig Kamarad hat am Samstag Abend eine Veranstaltung moderiert, in der die anwesenden Trial Legenden vorgestellt und geehrt wurden. Die Vollständige Namensliste werde ich noch von Bernd Weichenberger erfahren. Wenn er mir auch die Adressen gibt, werde ich versuchen mit den Leuten in Kontakt zu kommen - für mein Online-Trial-Geschichtebuch.

Einige Namen habe ich noch drauf, die Reihenfolge kann etwas durcheinander sein:

Walter Wolf, Walther Luft, Joe Wallmann, Max Hengl, Hubert Erbler, Fritz Krankl, Helmuth Hojas, Gerhard Pegam.

Bild (von links nach rechts): Hengl Max, Luft Walter, Hans Hutterer, Joe Wallmann und seine Frau Hedi!

Das Duell

Es sollte in Ebenau aber nicht nur tolle  Persönlichkeiten und Motorräder geben, sondern es sollte auch richtig guten Sport geben. Schließlich bin ich gekommen um im Wurzel Rodeo gegen Gerhard Pegam, dem freien Mitarbeiter von point@trial, anzutreten.

Die Stunde der Wahrheit hatte also geschlagen- nun sollte sich herausstellen was mehr gebracht hat: Gerhard's Training in seinen Jahren als ÖM Fahrer oder mein einsames Spezialtraining als Autodidakt. Gerhards Vorbereitung auf seiner "GasGas 300 Raga", oder stundenlanges Pilzesuchen auf der "Fantic Spezial". Ihr seht schon: Gerhard war der Außenseiter.

Aber: Scheinbar wusste er nichts davon und verpasste mir eine fette Abreibung. Dreimal so viele Punkte wie er am ersten, und ein vielfaches davon am zweiten Tag. Ist das fair- Leute?

Ich habe die Lektion verstanden: In der gleichen Spur zu starten bedeutet noch lange nicht in der gleichen Liga zu fahren.

Aber pass auf Gerhard, im nächsten Jahr ...  ;-)

Bild: Gerhard Pegam mit seiner ÖM Maschine von  1981

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Fotos:

Die Fotos von der Veranstaltung sind von:  Andrea Pegam, Fredl Wagner, Trials.at


Martin Ehrenreich beim Spielen mit seiner Bulto 350. Er demonstriert die legendäre Gasannahme der Bultaco.


Helmuth Hojas auf seiner wunderschönen OSSA 350. Leider hat der alte Gummi am Hinterrad trotz feiner Fahrtechnik keinen Grip auf den nassen Wurzeln gefunden.

 

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