|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
26. Plonkers Pleasure Trial Arnheim
Ich sitze vor dem Notebook und will über den elften und zwölften Lauf des Classic-Trial Euro-Cup Laufes in Arnheim einen Bericht schreiben. Klingt einfach, ist es aber nicht. Mir fällt vorerst nur eines ein: Sand! Arnheim ist eine Stadt in der Niederländischen Provinz Gelderland mit ca. 142.000 Einwohnern und ist weniger als 40 km von der deutschen Stadt Emmerich/Rhein entfernt. Die Schlacht um die Brücke Arnheim im September 1944 wurde später verfilmt und gilt als eine der letzten Niederlagen der Alliierten im zweiten Weltkrieg. Das 26. Plonkers Pleasure Trial Arnhem wird vom Club
MCA Motorclub Arnhem 1942 im Bereich eines Motocross-Geländes
durchgeführt. Das Gelände ist den Niederlanden entsprechend flach.
Aufgrund von ausgehobenen Mulden und angrenzender Anhäufung des
Aushubs, werden Hangfahrten überhaupt ermöglicht. Der Untergrund:
Loser und feiner Schlick-Sand. |
Die SektionenGefahren wird ausschließlich auf Sanduntergrund. Die teilweise ungewohnt langen Sektionen, sowie eine Streckenführung, die nahezu als risikofrei bezeichnet werden kann, erlauben einen unbeschwerten Fahrspaß für alle Teilnehmer, egal ob Pre65 oder Twinshock. Die Sektionen sind flüssig gesteckt, warten aber mit allen Tücken dieses launischen Untergrundes auf. Genaue Spurwahl sowie eine exakte Wahl des Tempos sind von größter Bedeutung, da Korrekturen nur schwer möglich sind. Axel Kreutz, bereits seit 20 Jahren Teilnehmer in Arnheim beschrieb es bildhaft: „Bei meinen ersten Achter-Fahrten auf Sand hier in Arnheim, war ich anfangs überrascht, wenn lediglich eine ‚Viertel vor Neun’ mit zehn Füßen daraus wurde“. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, kann der Veranstaltungsnamen als seriös gemeinter Hinweis für alle Teilnehmer gelten: Plonkers (=engl. „Depp“) Pleasure (=engl. „Vergnügen“). Wer hier fährt, kommt sich rasch vor wie ein Depp, der noch nie Trial gefahren ist, hat aber größten Spaß und Vergnügen daran! Im Zuge des Euro-Cups gab es wieder ein Treffen der Solo-Trialer mit den Beiwagen-Trialern, die hier in den gleichen Sektionen Ihren Bewerb austrugen und auch dafür sorgten, dass sich die Solo-Sektionen immer wieder änderten. Die Zwischenstrecke wurde konsequent so angelegt, dass es keinen Gegenverkehr gab. Teilweise führte die Verbindung auch entlang der Motocross-Bahn. Mit dem Gewicht am Hinterrad, den Gasschieber ordentlich geöffnet, wurden hier zwischendurch Erinnerungen an Harry Everts und Co geweckt. Wer zu gemütlich unterwegs war, musste damit rechnen, auch auf gerader Strecke im tiefen Sand stecken zu bleiben. |
Die VeranstaltungDas Campieren vor Ort über Nacht wurde vom Veranstalter aufgrund von unerwünschten Vorfällen im Vorjahr untersagt. Daher hatten auch am Samstag, kurz nach der Preisverleihung die meisten Fahrer das Gelände verlassen. Die Teilnehmer verteilten sich auf die umliegenden Campingplätze bis nach Emmerich, bzw. buchten in Hotels bzw. private Bed & Breakfast-Zimmer. Das Zimmerangebot war aber aufgrund der zeitgleich durchgeführten Gedenkfeierlichkeiten an die Schlacht um die Brücke sehr begrenzt. Für den Veranstalter sorgte diese Situation sicher auch für einen deutlichen Einkommensentgang wegen der geringeren Konsumation. Für die Fahrer entfiel dabei leider auch das gemeinschaftliche Zusammensitzen nach der Preisverleihung am Samstag. Die Klasse PRE65 wurde in drei Gewichtsklassen
unterteilt. Bei der technischen Abnahme wurden die Motorräder exakt
verwogen und den Klassen zugeordnet. Der guten Ordnung wegen sei
hiermit angemerkt, dass das Gewicht des Fahrers dabei nicht
berücksichtigt wurde. Motorradgewicht „über 120kg“, „105-120kg“ sowie „unter 105kg und 2 Takt“ Mit vier Leistungsklassen (Blau, Weiß, Rot, Gelb) konnte jeder Teilnehmer eine für Ihn geeignete Spur auswählen. |
Samstag:
Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen ermöglichte die Teilnahme auch im kurzärmligen T-Shirt. Aufgrund des einheitlichen Sanduntergrunds waren auch die Kriterien in den Sektionen ähnlich. Der Veranstalter gönnte den Teilnehmern mit den Nonstopps Eins und Zwei die Möglichkeit, sich an die, für viele ungewohnte Materie zu gewöhnen. In den Sektionen Drei bis Fünf mussten in der Gelben Spur knackige Stufen bezwungen werden. Die Kunst lag darin, vor dem Hindernis exakt dosiert Geschwindigkeit aufzubauen. In Sektion Sieben gab es nach einigen engen Kurven das einzige „Nichtsandhindernis“ in Form eines querliegenden Holzschwellers, der bergab zu überwinden war. In Sektion Acht, galt es wieder Sandkletter- oder kräftige Tausendfüssler-Qualitäten zu beweisen. Eddi Zels stellte seine fahrerische Klasse wieder eindrucksvoll unter Beweis und gewann die Gelbe Spur in der Klasse Pre65 mit lediglich drei Fehlerpunkten und distanzierte auch eindeutig den besten Twinshock-Fahrer Paul Focking aus den Niederlanden mit 16 Punkten in dieser Spur. Den belgischen Doppelerfolg fixierte der ehemalige mehrfache belgischer Meister Victor Gigot auf Fantic. Er bewies seine Klasse in der Roten Spur mit nur einem Fuß am ganzen Tag. Der Brite Malcolm Hall auf BSA zeigte in der weißen Spur gemeinsam mit Dieter Lubenow aus Deutschland auf Honda mit jeweils sechs Dabs die beste Leistung. In der Blauen Spur zeigte der Niederländer Chris van Homoet auf PRE65-Kreidler mit sechs Punkten, dass Fahrtechnik im Trial wichtiger ist, als Motorpower.. SonntagNebel lag noch über der Ebene, als um 10:00 Uhr der Bewerb gestartet wurde. Die Sektionen wurden durchwegs umgesteckt. Linien, die am Vortag von der einen Klasse ausgefahren wurden, dienten am Sonntag oftmals als Vorgabe für die nächst niedrigere Klasse.
Der Sandboden war durchfeuchtet und daher kompakter als am Vortag. Rasch bildeten sich auch bei Hang-Querfahrten deutliche Fahrrillen. Die Kombination aus kompakterem Untergrund und teilweise vorhandenen Spuren sowie letztendlich auch die am Vortag gesammelten Erfahrungen (=Füsse) der Fahrer mit dem Boden, führte dazu, dass die durchschnittliche Punkteanzahl der Fahrer am Sonntag niedriger war als am Vortag. Peter van der Sluis auf Yamaha blieb am ganzen Tag fehlerfrei und fixierte somit den holländischen Tagessieg aufgrund einer einzigen kleinen Unachtsamkeit des Belgiers Eddi Zels (1 Fehlerpunkt). Der Deutsche Lothar Wolf auf NSU-OSL blieb in der Roten Spur fehlerfrei und ließ den Belgier Victor Gigot mit nur einem Fehlerpunkt hinter sich. Der Niederländer Hans Kramer auf Kreidler sowie der Belgier Christian Wautier auf Ariel blieben in der weißen Spur fehlerfrei. Auch in der blauen Spur teilten sich der Belgier Roger Dewandeleer auf Greeves sowie der Holländer Hans Nielen auf Yamaha mit 13 Fehlerpunkten das beste Tagesergebnis. |
Teilnehmer:
An beiden Tagen beinahe gleiche Teilnehmerzahlen (75 bzw. 76) aus 5 Nationen und insgesamt nur vier Ausfälle sind weitere Indikatoren der Beliebtheit dieser Veranstaltung. Die hohe Teilnehmerzahl aus Holland und auch Belgien lässt doch leise hoffen, diese Topp-Leute auch in Deutschland und/oder Österreich begrüßen zu dürfen. Mit 19 bzw. 24 Teilnehmern ein Viertel der Teilnehmer aus Deutschland.
Arnheim fordert gerade für Mitteleuropäer eine äußerst ungewohnte Fahrweise. So mancher „Steinbeißer“ mag daran weniger Spaß empfinden. Aber gerade diese Verschiedenheit zum Gewohnten macht den Reiz dieses Trials aus. Fahrtechnisch anspruchsvoll bei geringem Risiko für Fahrer und Maschine sind Faktoren die Fahrspaß für alle Klassen ermöglichen. Das wird auch dadurch belegt, dass die Klassensieger wieder aus dem Kreise der „üblich Verdächtigen“ gestellt wurden. Obwohl „nur“ als Besucher, ließ es sich Karl Peham aus Österreich nicht nehmen, beide Veranstaltungstage in Arnheim zu besuchen: „Ich habe hier schon so viele schöne Momente und auch Erfolge erlebt und komme immer wieder gerne hierher“. Auch ein Zeichen beständiger Qualität und entspannter Stimmung, so wie sie auch der Autor dieser Zeilen selbst erlebte. Alfred Wagner. PS: Zwischenstand im Classic-Trial Europacup (Danke, Pit Demmer) |
|||||||||||||||||||||||||
![]()
|
end of the page |
![]()
![]()
|
|
|
Zum Thema:
[
Ebenau 07 ]
[
Gressenich 2008 ]
[
Ashdon 2008 ] [ Canzo 2008 ] |
|
|
![]()
Alfred WagnerAls "Quartals-Trialer" erlag ich als Zuseher im Jahr 2005 in Ebenau dem Reiz des Classic-Trials. Nach einer Verletzung in diesem Jahr fiel auch der Entschluss, entsprechende Schritte zu setzen um etwas mehr trainieren zu können. Im Frühjahr 2006 durfte ich eine SWM TL320 aus Norditalien abholen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Bald waren wir unzertrennlich und bei allen nationalen Veranstaltungen anzutreffen. 2007 folgten mit Trialteilnahmen in Italien, Ungarn und in Deutschland die ersten ausländischen Auftritte und die Erkenntnis: da gibt es noch eine Menge schöner Plätze zum Trialen. Die Phantasie von der Teilnahme am gesamten „Classic EuroCup 2008“ entwickelte sich zu einem konkreten Projekt. |
|
|
|
|
Dieser Artikel
by
Fotos: |
|
|
|
![]()
![]()