Classic EuroCup Aywaille (Belgien) 2008

Um Gottes Willen! ...

Anreise im Smart (Export): Im Bayrischen Wald kurz vor dem
ersten Stau. Geht das jetzt 850km so weiter?

... Ein Trial in Belgien, ich kann kein Wort französisch, ich habe keine Ahnung wie das da abläuft. Hinzu kommt, dass ich meinen Trial-Kollegen Erich Diestinger überredet habe, in Aywaille beim Classic EuroCup-Lauf teilzunehmen.

Gut, dass ich im Vorjahr beim Classic-Trial in Zirndorf Michael Ernst aus Deutschland kennen gelernt habe. Über das Trialforum finde ich seine Email-Adresse heraus und schreibe ihn an. Michael versorgt mich gleich mit hilfreichen Internet-Links zu Hotel und Veranstalter sowie ein paar sonstiger Ratschlägen. So sind die Vorbereitungen easy.

Eine Woche vor Aywaille zieht sich Erich Diestinger eine heftige Rippenprellung zu, die ihn zur Absage zwingt. Das hat die Konsequenz, dass ich nicht komfortabel mit dem Grand-Espace von Erich und den zwei Mopeds im Auto nach Belgien kommen kann. Die österreichischen EuroCup-Routiniers Alfred Rauter und Peter Ehringer sagen aufgrund der prognostizierten schlechten Straßenbedingungen (Schnee und Glätte) ihre Teilnahme ab. Da es nun keine mögliche Mitfahrgelegenheit mehr gibt, wird nun alles vorbereitet, um mit meinem Smart-Anhänger-Gespann die 1070 km Fahrstrecke von Wien aus in Angriff zu nehmen.

Bei der Anreise stehe ich zweimal bei dichtem Schneefall wegen liegen gebliebener PKW und LKW auf der A3 im Stau. Glücklicherweise dauern diese Verzögerungen nicht lange und es gibt sonst keine weitere Probleme.

In Aywaille angekommen, besuche ich Michael Ernst in dessen Hotel und erfahre, dass das Trial bereits um 09:30 Uhr beginnt. Also geht es nach einem Begrüßungsbier zeitig in das von mir gebuchte Hotel und zeitig ins Bett.

Samstagmorgen:

Kälte und Nässe prägten beide Tage

Draußen hat es eine Temperatur knapp um den Gefrierpunkt, dazu leichter Regen. Ein paar Trialer aus England, die im gleichen Hotel übernachtet hatten, bestätigen, dass der Ort des Bewerbs einfach zu finden sei: Gerade aus, Richtung Spa Francorchamps, direkt nach dem ersten Kreisverkehr. Unmittelbar vor der Brücke über die Hochwasser führende Amel befindet sich das Fahrerlager. Die Wiese ist aufgeweicht, daher parken fast alle Teilnehmer entlang der Straße.

Das Nennbüro ist gut organisiert. Die vorab gefaxte Nennung wird sofort gefunden und ich fasse meine Startnummer sowie ein Souvenir-T-Shirt aus. Mangels Platz zum Einfahren, stelle ich das Moped gleich im Vorstartbereich ab. Ich höre, dass es in Aywaille kein Fehler sei, sich möglichst vorne anzustellen.

Der Regen geht bald in dichten Schneefall über. Der Wagen von Kivo wird von Fahrern bestürmt und unzählige Regenmonturen wechseln den Eigentümer. Binnen kurzer Zeit bedeckt eine Schneedecke die ganze Landschaft. Der Veranstalter informiert, dass der Rundkurs verkürzt wurde. Gefahren wird in zwölf Sektionen, die zweimal zu passieren sind. Die Verbindungstrecke ist in zwei Schleifen angelegt, die sich beim Fahrerlager kreuzen. Dadurch ist technische Hilfe im Falle einer Panne trotz einer insgesamt langen Fahrstrecke ziemlich rasch möglich.

Es geht los

Erlebnisbetonte Sektionen ...

Absteigen verboten: Boden und Wassertiefe nicht einsehbar ...

Alle Teilnehmer fahren zuerst eine Rampe hoch, der Name wird vom Platzsprecher angesagt und die Punktekarte wird ausgeteilt. Auf der Hauptstraße geht es mitten durch den Ort, wie selbstverständlich vorbei an der samstägigen Betriebsamkeit der einheimischen Bevölkerung. Die erste Sektion befindet sich am Ortsende an einem LKW-Parkplatz, direkt unter einer Autobahnbrücke.

Eine Sektion ist wie aus einem Lehrbuch einer Trialschule gesteckt: zuerst unruhige Fahrt über große Steine, danach eine Schräghangauffahrt mit zwei gleich darauf folgenden engen Kurven. Einer steilen und rutschigen Abfahrt folgt eine Wende um den Hang gleich wieder hoch zu jagen. Eine schöne Kombination von Trial-Grundtechniken ist erforderlich und ermöglicht einen harmonischen Start in den Bewerb.

In Sektion zwei geht es im Zick-Zack einen Hang hoch, ganz oben wird gewendet um durch eine rutschige Abfahrt wieder neben dem Start die Sektion zu beenden. Ich sehe fast nur Mopeds die aus der Sektion getragen werden. Ein Teilnehmer übersetzt die Aussage des Punkterichters: "Die ersten fünf konnten noch fahren", jetzt überzieht ein rutschiger Schmierfilm die Wurzeln. Während einige Fahrer Material und eigene Kräfte schonen und eine Fünf zwicken lassen, sind die meisten mit einer (Tausendfuß-) Drei hoch zufrieden.

Im Steinbruch folgt ein Schreck. Eine kleine mit Wasser gefüllte und fast kreisrunde Kuhle ist im ca. 270° Winkel zu passieren. Das Vorderrad kann sauber am Hang im Trockenen geführt werden. Einem kleinen Anstieg folgt danach eine Rechtskurve um dann auf losem Untergrund einen Hang steil hinunter zum Teich zu fahren. Der Teich ist ca. 6-7m breit und insgesamt ca. 20m Lang. Am besten wird sein, der Breite nach zu durchfahren, am Gegenufer zu wenden um dann nochmals den Teich zu queren um nach einem kurzen Steilhang die Sektion zu verlassen. Alles recht und schön, aber wie tief ist dieser Lacke? Gummistiefelträger stoppen gleich nach dem ersten Meter im Wasser den Versuch die Tiefe zu Fuß auszuloten, zu schnell wird es zu tief. Michael Ernst fasst sich als erster ein Herz und mutet sich und seiner Yamaha TY die Wasserdurchfahrt zu. Danach wissen es alle: Das Vorderrad verschwindet im Wasserschwall. Der Preis für Michaels Mut ist hoch, die Yamaha läuft danach nicht mehr einwandfrei.

Samstag Nachmittag: „So schön, das glaubst du nicht“

Die restlichen Sektionen führen über rutschigen Waldboden, Felsabschnitte, losen Schieferstein sowie weichem Sand. Trotz der schwierigen äußerlichen Bedingungen, haben die Organisatoren fahrbare Sektionen gesteckt. Hauptsächlich enge Radien in Kombination mit kurzen, meist rutschigen Anstiegen oder Abfahrten fordern am ersten Tag auch von den Besten aller Klassen in den jeweiligen Spuren eine beträchtliche Punkteanzahl.

Auf der Runde geht es teils durch tief winterliche Waldlandschaften, teils auf öffentlichen Schneefahrbahnen sowie einem Waldweg entlang, der mehrfach einen Bach quert. Das Wetter bessert sich und die Sonne kommt heraus. Am Hügel bleibt der Schnee im Wald liegen und bietet den Fahrern stellenweise Postkarten-Fotomotive. Das ist Trialwandern vom Feinsten!

Die Tagesbestleistungen erreichten:

Expert (gelbe Spur): Günter Rutloff (D) – PRE65;  21 Punkte
National (rote Spur): Albert Couvelance (B) - PRE65; 18 Punkte
Randonneurs (weiße Spur): Jon Bliss (GB) - Twinshock; 19 Punkte

Beachtenswert ist die Tatsache, dass sowohl Günter Ruttloff auf Jawa sowie Albert Couvelance auf BSA die beste Wertungen in Ihren Spuren mit PRE65-Motorrädern schafften.

Sonntag früh, ...

George Greenland: „This bike ist to clean”

... gleich ein banger Blick nach draußen. Eine zwei Zentimeter hohe Schneedecke ziert die Landschaft, es hat -3 °C, aber die Sonne scheint, der Himmel ist nahezu unbewölkt. Zum Schutz gegen Wasser und Dreck von unten ist die Regenmontur wieder die beste Kleidungs-Wahl. Am Start erfahre ich, dass zwei Sektionen gestrichen und somit die Runde wesentlich verkürzt wurde. Es wurde die Passage mit den schönen Bachquerungen gestrichen.

Am Vorstart steht eine blitzsaubere Montesa neben den drecküberzogenen Motorrädern der übrigen Teilnehmen. George Greenland kommentierte mit einem Lächeln: „This bike is to clean!“

Es werden die Sektionen vom Vortag nochmals befahren. Lediglich eine Sektion ist komplett neu gebaut, andere sind etwas abgeändert, wenn sie am Samstag zu sehr ausgefahren wurden. Aufgrund der besseren Witterungsverhältnisse werden die Sektionen wesentlich leichter – für die Toppfahrer zu leicht.

Wertung:

Victor Gigot (B) bleibt am ganzen Tag fehlerfrei, einige Fahrer verfehlen dieses Ergebnis nur knapp.

Die weiteren Spurenbestwertungen:

Expert (gelbe Spur): Martin Font (SP) – PRE78; 2 Punkte
National (rote Spur): Victor Gigot – Twinshock; 0 Punkt
Randonneurs (weiße Spur): Pierre Marchal (F) – Twinshock; 3 Punkte

Sportlich hochinteressanten Classic-Trialsport gibt es in der blauen Spur der Gruppe "International" zu sehen, die nur für die Twinshocker ausgeschrieben ist. Andreas Kindsvogel (D) ist an beiden Tagen das Maß der Dinge (22 bzw. 11 Fehlerpunkte) und gewinnt vor David Zels (B) (24/17) sowie Nic Draper (GB) (35/24).

Teilnehmer -  Nationenalitäten:

"Gatschpaniert" geht es zur Heimreise per Smartexpress ...

Die Statistik der Herkunftsländer der 172 Teilnehmer bestätigt den Classic-EuroCup-Status der Veranstaltung:
Belgien 60
Deutschland 41
Holland 28
Großbritannien 17
Frankreich 17
Spanien 3
Schweiz 2
Italien 1
Luxemburg 1
Österreich 1
Schweden 1

Nicht zuletzt wegen der Wetter-Kapriolen werden die zwei Tage von Aywaille 2008 den meisten Fahren lange in Erinnerung bleiben.

Jeder hat gewonnen, der hier dabei war!.

[Startseite]

end of the page

Zum Thema:

Journal


[ Ebenau 07 ]
[ Clubtrial Falkenstein ]
[ High Noon in Ebebau ]
[ Ostertrial ]


[ Gressenich 2008 ]
[ Arnheim 2008 ]
[ Salzstiegl 2008 ]
+ [ Webermichl-Cup ]

[ Ashdon 2008 ]
[ Casalborgone 2008 ]
[ Zirndorf 2008 ]
[ Aywaille 2008 ]


[ Canzo 2008 ]

Alfred Wagner

Als "Quartals-Trialer" erlag ich als Zuseher im Jahr 2005 in Ebenau dem Reiz des Classic-Trials. Nach einer Verletzung in diesem Jahr fiel auch der Entschluss, entsprechende Schritte zu setzen um etwas mehr trainieren zu können.

Im Frühjahr 2006 durfte ich eine SWM TL320 aus Norditalien abholen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Bald waren wir unzertrennlich und bei allen nationalen Veranstaltungen anzutreffen. 2007 folgten mit Trialteilnahmen in Italien, Ungarn und in Deutschland die ersten ausländischen Auftritte und die Erkenntnis: da gibt es noch eine Menge schöner Plätze zum Trialen.

Die Phantasie von der Teilnahme am gesamten „Classic EuroCup 2008“ entwickelte sich zu einem konkreten Projekt.

 

Dieser Artikel

by
Alfred Wagner

Fotos:
Alfred Wagner


Links:

Veranstalter:
http://home.scarlet.be


Hotel:
hotel-des-ardennes.com

www.lavilladesroses.be


Video:
www.youtube.com