Classic EuroCup Casalborgone (Italien) 2008

Mulatrial delle Sei Valli, Motoclub Casalborgone

Der "Moto Club Casalborgone" ist Trialclub mit
viel Tradition und Erfahrung

Am Wochenende vom 17. – 18. Mai 2008 machte der Classic-Trial EuroCup-Tross Station im italienischen Casalborgone. Das 1700 Einwohner zählende Dorf im Piemont liegt ca. 30 km nordöstlich von Turin und zieht sich romantisch über einen kleinen Hügel. Bereits in der Ebene liegend, befindet sich am Dorfrand ein Sportplatz, der etwas versteckt hinter einer Kirche und einem Kino als Fahrerlager dient.

Die Ausschreibung klingt viel versprechend:

Samstag: 1 Runde, 10 km, 10 Sektionen, jede Sektion wird nur einmal befahren.
Sonntag: 1 Runde, 20 km, 20 Sektionen, jede Sektion wird nur einmal befahren.
Genannt werden kann in einer von drei Schwierigkeitsgraden.
Am Samstagabend gibt es gegen Aufpreis ein gemeinsames Abendessen mit typisch regionalen Speisen.
Eine Veranstaltungsplan, der an das Trial in Canzo (siehe Bericht) erinnert.

Wer bei den erfahrenen Cracks nachgefragt hatte, wird wohl eine Beschreibung wie nachfolgend erhalten haben:
Am Samstag sind die Sektionen nicht wirklich schwer, aber die anspruchsvolle Zwischenstrecke mit steilen Anstiegen und Abfahrten ist kräfteraubend und lässt die Wertungspassagen wesentlich schwieriger erscheinen.
Am Sonntag gilt es das Motorrad ordentlich voll zu tanken, da die Strecke doppelt so lang ist. Die Sektionen werden um eine Stufe schwerer und die Anzahl verdoppelt sich. Die Frage nach der persönlich empfundenen Schwierigkeit erübrigt sich am Sonntag dann wohl…
Für die bisherigen Veranstaltungen galt meist: Hitze, die im Wald zu einem unangenehm schwülem Klima führt. Für Camper und Zelter ist das Moskito-Netz eine nützliche Einrichtung.
- Für 2008 weit gefehlt! -

Bei einem Classic-Europacup Trial bekommt man auch echte
Raritäten vor die Linse: Hier eine WSK

Samstag, 17. Mai 2008:

Bereits am Freitag, einen Tag vor dem Bewerb sorgte ein mächtiges Adria-Tief für einen tiefen Boden und als Willkommensgruß auch für PKW eine schwierige Zufahrt in den Camping-Bereich. Das angekündigte Regenwetter war wohl Mitgrund, warum das Fahrerlager leicht überschaubar und klein blieb. Die EuroCup-Termine 2008 sind scheinbar auch im Kalender von Petrus eingetragen der pünktlich zu den Veranstaltungen ein britisches Trialwetter schickt. (Siehe Bericht Canzo, Aywaille, Zirndorf).

Um 14.00 Uhr startete der Bewerb. Gefahren wurde in Gruppen mit durchschnittlich acht Teilnehmern. Den Gruppen wurden zwei Guides zur Seite gestellt, die durch das Gelände führten und als Punkterichter dienten. Die Zusammenstellung war frei wählbar und ermöglichte, dass Fahrgemeinschaften oder Clubs auch gemeinsam trialen konnten. Lediglich Teilnehmer der Grünen Spur (Beginner) sollten möglichst in einer Gruppe fahren, da die Zwischenstrecke für diese Fahrer teilweise vereinfacht gestaltet wurde.

Wunderschöne Natursektionen - auch in fließendem Wasser
durfte gefahren werden.

Vom Fahrerlager fuhren die Gruppen auf öffentlichen Straßen eine kleine Bergstrasse hoch in den Wald. Ideal, um die Motorräder ordentlich aufzuwärmen. Die erste Sektion war weich in das Gelände gesteckt und erlaubte auch die Fahrer sich ordentlich aufzuwärmen aber zeigte dennoch Zähne aufgrund des allgegenwärtig vorhandenen rutschigen Bodens. Ein idealer Auftakt in den Bewerbstag um sich an Motorrad und Terrain zu gewöhnen zu können. Das Hauptkriterium der weiteren Sektionen blieb weiterhin der tiefe und rutschige Boden. Die Sektion Drei führte für die gelbe Spur (Expert) entlang eines Bachbettes mit groben Rundsteinen mit der unvermeidlichen Steilausfahrt. Die Sektion Zehn erforderte etwas Mut sowie eine saubere Fahrspur, da sie schräg einem blanken Sandsteinhang hochführte. Letztendlich zeugten einige Kratzspuren im Hang von diversen mehr oder weniger spektakulär missglückten Versuchen, die von den Zusehern genauso johlend kommentiert wurden, wie fehlerfreie Durchfahrten.

Auf der Zwischenstrecke erinnerten sich die Newcomer an die Beschreibung der erfahrenen Cracks: Wie hieß es: „Hitze“ und "schwierige Zwischenstrecke"?

Jetzt regnete es aber, der Boden war tief und rutschig. Einzelne Auffahrten erforderten höchste Achtsamkeit bezüglich Traktion. Wer hängen blieb, durfte seine Kondition beim Schieben unter Beweis stellen. Aber auch einige knifflige Abfahrten machten verständlich, warum Fahrer der Grünen Spur (Beginner) teilweise von den Guides auf einer anderen Strecke herum geführt wurden.

Der Blick auf die Ergebnislisten zeigt trotz bescheidener 67 Teilnehmer eine erfreuliche Vielzahl an Nationalitäten. Erstaunlich, dass nur vier Fahrer aus dem Veranstalterland Italien am Samstag angetreten sind. Die mit Abstand größte Delegation stellte Spanien (!!!) mit 21 Fahrern.

Phil Readshaw, Alfred Wagner, Günther Ruttloff - der Autor unter
den Tagesbesten - zumindest bei der Feier ...

Tagesergebnisse - Samstag:

Der sportliche Wettkampf um die beste Tagesleistung in der schwierigsten Spur wurde in der Gruppe C (Pre65 2Takt und 4Takt bis 225 ccm) ausgetragen. Günther Ruttloff aus Deutschland konnte sich dabei mit 10 Punkten vor Phil Readshaw von der Isle of Man mit 13 Punkten vor den besten Fahrern der Twinshockerklasse durchsetzen.

1. Günther Ruttloff (D) PRE 65 2Takt 10 Punkte
2. Phil Readshaw (IOM) PRE 65 4Takt 13 Punkte
3. Philippe Germanier (F) Twinshock 16 Punkte

 

Die besten Ergebnisse in den
einzelnen Spuren:

Beginner (Grün): Hugues Matteudi (F) PRE 65 Motobecane 13 Punkte
Clubman (Rot): Peter Huber (D) Twinshocks Fantic 19 Punkte
Experts (Gelb): Günter Ruttloff (D) PRE65 JAWA 10 Punkte

In die Siegerliste konnten sich Fahrer aus sechs Nationen eintragen:
3 Großbritannien
2 Deutschland, Frankreich, Italien
1 Niederlande, Spanien

Am Abend fand im ca. 1 km entfernten „Il Ciabot“ das gemeinsame Abendessen statt. Zehn Nationen und sieben verschiedene Sprachen an einer Tischrunde vereint, boten ein wunderbar internationales Flair. Von babylonischem Sprach-Wirrwarr konnte keine Rede sein. Hände, Füße, Schulenglisch sowie ein gemeinsames Hobby ermöglichte interkulturelle Verständigung. Gutes Essen und Trinken taten ihr Übriges, dass es perfekt passte, dass die Preisverleihung erst um ca. 23:00 Uhr begann und kurz und bündig durchgeführt wurde. Dieser gesellschaftliche Teil des Wochenendes ist als "Must have" zu bezeichnen und die Teilnahme daran ist für die Fahrer und deren Anhang wärmstens zu empfehlen!

Sektionen in atemberaubender Schönheit

Sonntag, 18. Mai 2008

Bei der Siegerehrung am Samstag musste Giovanni Dughera die Fahrer im Namen des Veranstalters informieren, dass am Sonntag nur auf verkürztem Kurs mit nur zwölf Sektionen gefahren werden konnte. Der teilweise heftige Dauerregen, machte einige Passagen der Zwischenstrecke sowie einige Sektionen unbefahrbar.

Durch den zeitversetzten Start der Gruppen wurden auch am Sonntag Staus vor den Sektionen vermieden.

Wie am Samstag, konnten sich auf der Zufahrt zur ersten Sektion das Motorrad und in der flüssig gesteckten ersten Sektion der Fahrer perfekt für den Bewerbstag aufwärmen.

Die folgenden Sektionen Zwei und Drei waren als Doppelsektion gesteckt und verlangten bei knackigen Auffahrten teilweise auf blankem aber griffigem Sandsteinfelsen Mut bzw. Vertrauen in die Traktion ab.

Die darauf folgende Felsensektion von Casalborgone ist wie die Mausefalle für Kitzbühel. Ein Fixpunkt der Veranstaltung und ein Thriller für die Fahrer! Ein blanker Sandsteinhang, der zwar griffig ist, aber aufgrund von Steilheit und Höhe zu Fuß kaum bis gar nicht begehbar ist und einigen Mut sowie eine weiche Gashand sowie einen präzisen Bremsfinger erfordert. Da die Reifen einigen Schlamm von der Verbindungsstrecke auf den Felsen auftrugen, galt es hier besonders konzentriert zu bleiben. So mancher Fahrer verewigte sich mit Kratzspuren vom Motorrad am Felsen in Richtung des darunter befindlichen Gebüsches.

Jausenstation als Sektion ...

Die darauf folgende Pausenstation mit Brötchen, Kuchen und Getränken half das zuvor in der Felssektion ausgeschüttete Adrenalin abzubauen und wurde als Sektion gewertet. Ein sympathisches Zeichen dafür, worum es eigentlich beim Klassik-Trial geht.

Danach führte der Kurs in ein tief eingeschnittenes Bachbett in dem sich die Fahrer in einer einfachen Bachbettsektion an das neue Terrain gewöhnen konnten. Entlang des Bachbettes wurde die Zwischenstrecke und Sektionen zunehmend schwieriger und unterhaltsamer. In der finalen Bach-Sektion mussten bzw. durften die Fahrer über zuerst über Geröll, danach über eine enge eingeschnittene Wasserstufe fahren um abschließend vier kaskadenartigen, jeweils ca. ein Meter hohe Stufen zu bezwingen. So mancher Fahrer hielt beim Besichtigen kurz inne und ließ dieses wunderbare Naturschauspiel auf sich wirken.

In den folgenden Sektionen mussten die Mud-Race-Fähigkeiten der Fahrer wieder unter Beweis gestellt werden.

Während die eiligsten Teilnehmer die Motorräder noch bei leichtem Nieselregen verluden, riss plötzlich die Wolkendecke auf und die gleiche Tätigkeit konnte weniger als eine Stunde später bei strahlendem Sonnenschein erledigt werden.

Phil Readshow mit seiner Triumph Tiger Cub

Ergebnisse:

Die Ehre des Besten in der schwierigsten Spur wurde wiederum Günther Ruttloff (D) mit nur sechs Punkten zu Teil. Emanuel Kössel zeigte mit der Montesa 200, dass auch in der Expertenklasse Fahrkönnen vor Motorleistung geht und belegte bei den Twinshockern den zweiten Platz.
1. Günther Ruttloff (D) PRE 65 2Takt 6 Punkte
2. Comba Fabio (I) Twinshock 7 Punkte
3. Kössel Emanuel (D) Twinshock 7 Punkte

Die besten Ergebnisse in den einzelnen Spuren erzielten:

Beginner (Grün): Enric Baste (E) Twinshock Bultaco 1 Punkt
Clubman (Rot): Gabriele Aldeghi (I) Twinshock Fantic 7 Punkte
Experts (Gelb): Günter Ruttloff (D) PRE65 JAWA 6 Punkte

In die Siegerliste konnten sich Fahrer aus sechs Nationen eintragen:

3 Großbritannien
2 Deutschland, Frankreich, Italien
1 Niederlande, Spanien

Zusammenfassend:

Aufgrund der widrigen Wetter- und daraus folgenden Bodenbedingungen darf sich jeder Fahrer, der den Samstag beendete, mit Stolz und Recht „Finisher“ bezeichnen. Die Veranstalter können aufgrund des großflächigen Areals aus dem Vollen schöpfen und verstehen es wunderbare Sektionen in die Landschaft zu setzen. Sogar Doppelsektionen werden so geschickt geplant, dass sie wie fast alle übrigen Sektionen fast ohne Absperrbänder und mit nur wenigen Richtungspfeilen auskommen. Die Sektionen sind aufgrund natürlicher Begebenheiten (Hänge, Bäume usw.) eingegrenzt und erlauben vielfach verschiedene Spurwahlen. In keiner einzigen Sektion musste am Lenkeinschlagbegrenzer gefahren werden. Das Fahren mit Guides vermittelt zusätzlich ein besonderes Flair. Trotz geringer Teilnehmerzahl waren viele Nationalitäten vertreten. Jedenfalls hätten sich die Veranstalter rund um Giovanni Dughera wesentlich mehr Fahrer verdient.

Die Ergebnisse der Österreicher:

Seit 1999 nimmt Alfred Rautner laufend an den Bewerben in Casalborgone teil. Um ihn herum scharrten sich heuer fünf weitere Österreicher: Wolfgang , Gerhard und Martin Ehrenreich, Erich Diestinger sowie Alfred Wagner.

Alfred Rautner brach den Bewerb am Samstag aufgrund von technischen Problemen am der BSA ab. hatte Probleme mit der Technik der von seinem Vater gebauten WTS und trat am Sonntag nicht mehr zum Bewerb an.

Die Österreichische Abordnung: (von links)
M. Ehrenreich, E. Diestinger, Franz , A. Rautner, A. Wagner, G. Ehrenreich

Samstag:

Klasse B, PRE65 Unit, Clubman

3. Platz Gerhard Ehrenreich BSA 40 Punkte
Ausgeschieden Alfred Rautner BSA

Klasse D, Twinshocks, Clubman

21. Platz Erich Diestinger Bultaco 44 Punkte

Klasse D, Twinshocks, Expert

7. Platz Franz W. WTS 28 Punkte
8. Platz Martin Ehrenreich Bultaco 30 Punkte
13. Platz Alfred Wagner SWM 35 Punkte

Sonntag:

Klasse B, PRE65 Unit, Clubman

3. Platz Gerhard Ehrenreich BSA 25 Punkte

Klasse D, Twinshocks, Clubman

23. Platz Erich Diestinger Bultaco 35 Punkte

Klasse D, Twinshocks, Expert

7. Platz Martin Ehrenreich Bultaco 15 Punkte
9. Platz Alfred Wagner SWM 22 Punkte

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Alfred Wagner

Kommentar:

Was in Aywaille mit Diskussionen zwischen einem Polizisten und dem Veranstalter begann, wurde am Samstag in Casalborgone in Form einer Anhaltung der ersten beiden Gruppen mit nachfolgender Diskussion mit der lokalen Forstaufsicht fortgesetzt. Die Anzeichen dafür, dass es für Veranstalter offensichtlich immer schwieriger wird, Motorsport-bewerbe in weitflächigem Rahmen durchführen zu können. Ein gutes Netzwerk mit Politik und lokalen Behörden, wie z.B. in Zirndorf zu beobachten, wird ein unverzichtbarer Faktor werden, um in Zukunft auch weiterhin schöne Bewerbe veranstalten zu können. Ein Kompliment an alle Veranstalter, die sich den zunehmenden behördlichen Auflagen stellen und unterhaltsame Bewerbe auf die Beine stellen.

Teilnehmerzahlen
nach Nationalitäten:

Spanien: 21
Deutschland: 14
Frankreich: 8
Österreich: 6
Niederlande: 5
Großbritannien: 5
Italien: 4
Polen: 2
Isle of Man: 1
Schweiz 1

Dieser Artikel

by
Alfred Wagner

Fotos:
Erich Diestinger,
Alfred Wagner