SMARTER Trial-Transport Autor:  Alred Wagner

Spass an logistischen Lösungen

Den Spaß an logistischen Lösungen hatte ich schon früh. Meine Mutter stand so manche Ängste durch, weil ich es für blamabel empfand, den Traktoranhänger nicht bis über die Oberkante voll zu beladen. Es war mir dabei fast auch egal, dass als Zugmaschine ein bescheiden kleiner Steyr 15 zur Verfügung stand, und dann ein ziemlich steiler Waldweg zuerst und dann ein anderer nicht weniger steil wieder runtergefahren werden musste. Stark ausgeschwemmt und mit rutschigem Erdboden, aber immer mit vollem Anhänger!

Oder später mit meinem ersten Auto, einem 2CV 4. Die Musikanlage des damaligen Freundes meiner Schwester wurde komplett verladen. Das Fetzendach wurde zurückgerollt und die hintere Sitzbank obendrauf gelegt, nur damit alles in ein Auto passte, wofür sonst zwei PKW-Ladungen nötig waren. Alleine daran hatte ich schon eine riesen Freude.

Eine Frage der Ehre

Mit dem Satz, dass für mich nur Autos in Frage kämen, bei denen es "hinten gerade runter geht", habe ich so manchen Freund genervt. Dass mein Astra-Caravan auch geeignet ist, ein Kanu sowie ein Trial-Motorrad zu transportieren, war für mich eine Frage der Ehre. Aber am Weg von Wien, wollte ich einfach mit Herbert im Burgenland noch etwas Fluss wandern und danach mit dem Mopedfahren. Damals hatte es mich noch genervt, dass ich mit Anhänger nur 100 km/h auf der Autobahn fahren darf (diese Erkenntnis kostete mir auch mal verständnisvolle Mindest-ATS 300,-).

Lösung: Großraumlimousine

Um das lösen zu können, musste das Moped auf oder in das Auto. Ein Pickup war für mich kein Thema, das Moped einfach in den Kofferraum zu legen, wie es der Richi Hitzler machte, ebensowenig. Also "brauchte" ich ein Auto, in dem die Aprilia ins Auto kann. Sharan, Alhambra und ko wurde plötzlich zum Thema. Aber möglichst ohne viel Schnick-Schnack. ABS, Klima, Zentralverriegelung mehr sollte er gar nicht haben ("je mehr Motoren, desto mehr kann defekt werden"). Oh, Wunder: Der Robert hatte exakt einen Sharan in dieser Miniausstattung in Klagenfurt stehen. Zu allererst habe ich die Heckklappenöffnung vermessen. Knapp aber doch, ging es sich für das Trial aus! Erst mit dieser Erkenntnis habe ich mir den Sharan genauer angesehen und auch gekauft.

So wurde auch der Sharan genutzt: Als Wild-Camper (Fenster mit Tüchern abgehangen, und innen mit einer Doppel-Luft-Matratze ausgelegt. Zwei Rücksitze wurden auf die Vordersitze gelegt) oder als Trasporter für 1 Trial, 1 Fahrrad, 4 Personen und das Zeugs für 2 Wochen Urlaub....) Eine berufliche Veränderung brachte ein Firmenauto ins Haus. Nach Kalkulation der Gesamtkosten des Sharans (inkl. Wertverlust auf Basis von 8 Jahren Nutzungsdauer) von ATS 6800,- / Monat sowie ein paar ärgerliche Reparaturen führten rasch zur Entscheidung, den Sharan zu verkaufen.

Autolos

Auch in der "autolosen" Ära hatte ich die Gelegenheit meine logisitischen Phantasien auszuleben. Als Angestellter bei einer Spedition, die Logistik-Partner der VA-TECH Hydro war, habe ich auch Transporte von 200-Tonnen-Generatoren zu Lande und zu Wasser mitorganisiert. Als leidenschaftlicher "Packerl-Schlichter" kam ich hier voll auf meine Rechnung.

Da kam der SMART

Dann kam der Smart ins Haus. Ursprünglich war das trialmäßig kein Problem, da die Aprilia ohnedies in der Steiermark stand. Allerdings änderte sich Anfang 2005 das Trialverhalten vom eklatant! Der ging ins Sachen Trial online. Plötzlich fand Trial auch für mich in Italien, Obersteiermark, Salzburg usw. statt. Da entstanden bereits erste Phantasien zu smarten Logistik-Lösungen. Die ich aber noch als lustige Spinnereien abtat.

Schicksalhaft

Anfang Mai 2005 gab es jedoch eine schicksalhafte Begebenheit. Obwohl nur wenige Stunden im Jahr 2005 am Moped verbracht, bildete ich mir ein, in Ligist wieder mal bei einem OGT-Trial teilzunehmen. Erste Runde, erste Sektion: Eine unnötige Unsicherheit, ein blöder Winkel, ein verhängnisvoller Abstieg über den Lenker. Der Arzt meinte, dass da "noch ein Scherzel von meinem Ellbogen im Wald herumliegen müsste". Außerdem eine Woche Gips und ein paar Blaue Flecken.

Schon im Spital war klar: Vollkommen unnötige Brezen, nur passiert weil ich so wenig fahre. Und warum fahre ich so wenig? Weil ich 250km vom Moped entfernt wohne. An dieser Situation muss sich was ändern!

Ein Wohnsitz- bzw. Autowechsel wurde von vornherein ausgeschlossen. Welche Alternativen standen dann noch zur Verfügung? Weder ein entsprechender Umbau, noch ein Huckepack-Transport waren machbar.

Smart mit Anhänger

Da blieb nur noch die Möglichkeit des Smart-Anhängers übrig. Ein Smart-Verkäufer machte man mich darauf aufmerksam, dass es in der Steiermark einen Fahrschullehrer geben soll, der sogar mit einem Wohnwagen herumfahren soll und am besten über den Smart-Club zu erreichen ist (www.smart-club.at). Dem Uli Lackner bin ich wirklich zu besonderem Dank verpflichtet. Er hatte wirklich schon umfangreiche Erfahrungen mit der Smart-Anhängevorrichtung und dem erforderlichen Behördenlauf. Alles net so einfach, da der Smart fortwo seitens des Herstellers nicht für Anhängevorrichtungen freigegeben ist, und Daimler Benz auch kein Interesse zeigt, diesbezüglich irgendetwas zu unternehmen.

Die Anhängevorrichtung aus Deutschland zu besorgen, und diese fachgerecht montieren zu lassen, war rasch erledigt. Aber dann ging es los. Das deutsche TÜV-Gutachten, da der AHV beilag, war zwar schön anzusehen, aber bei weitem nicht aussreichend, da der SMART keine Anhängevorrichtungen freigab. Uli machte mich auf Richard Jäger (http://www.smaatrailer.de) aufmerksam. Er kann mir ein Gutachten nach 94/20 EU (aus Irland) zukommen lassen. Nun ist auch dieses nicht ausreichend, da nirgendwo belegt ist, daß die Bremsen ausreichende Verzögerungswerte haben. Auch der Hinweis, daß diese AHV in der Steiermark schon mind. 4x genehmigt führte zu keiner Lösung. Also ab zum österreichischen TÜV und eine entsprechende Prüfung veranlassen. Endlich liegt ein TÜV-Gutachten vor, in dem alle erforderlichen Prüfungen durchgeführt wurden.

 

Zwischenzeitig galt es eine weitere Aufgabe zu lösen...

... die Anhängevorrichtung war nur für ungebremste Anhänger mit einem max. höchstzulässigem Gesamt-Gewicht von 300 kg zugelassen. Handelsübliche leichte Anhänger haben dzt. aber meist 450 kg max. Gewicht. Da tat sich aber eine neue Möglichkeit auf: Mein Vater hatte einen fast 20 Jahre alten Anhänger der dieser Anforderung entsprach. Allerdings war die Beladung auf die 120x90cm selbsttragenden Ladefläche etwas umständlich. Außerdem wurde dabei die Max. Anhängelast von 30kg überschritten, die Bodenplatte saß auf der Bordwand vom Anhänger auf. Mit einem Wort unangenehm, unsicher und unpraktisch. Doch alle angesprochenen Anhängerbauer lehnten einen Umbau ab, da wirtschaftlich unrentabel, ich sollte doch einen neuen Anhänger kaufen. Für mich war das aber äußerst reizvoll: ein Motorrad, dass insg. 200 cm lang ist auf einer Ladefläche von 120cm zu parken, ein stadttaugliches Anhängergespann zu haben das insg. ca. 475cm lang ist (250cm Auto + + ca. 15cm AHV + 210cm Anhänger). Parken mit Anhänger in einer normalen Parklücke!

 

Mit Daniel Dornauer fand ich endlich jemanden der "verrückt" genug war, in diesem Projekt eine spannende Aufgabe zu sehen.

Jetzt steht ein Anhänger zur Verfügung, der sowohl als klassischer PKW-Anhänger als auch als Motorrad-Trailer genutzt werden kann.

Zwischenzeitig fand auch ein bekannter österreichische Computerhändler Gefallen an diesen Ideen, und verpaßte dem Smart einen werbewirksamen Steinschlagschutz (www.birg.at).

 

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