Die Qualität der garantierten Langsamkeit   Alfred

Tempomat, wofür?

Schon beim Kauf meines Smarts hatte ich nach einen Tempomat gefragt. Erstaunlicherweise hatte der Verkäufer davon abgeraten, der nachträgliche Einbau funktioniere nicht richtig usw. So kaufte ich den Wagen eben ohne dem Helferlein. Auf der anderen Seite ist es doch nur logisch und konsequent. Gibt es auf Strecken etwas komfortableres als ein Tempomat in einem Auto mit Automatik (bzw. elektrischer Schaltung)?

Später, nachdem ich auch schon mit dem Anhänger einige Kilometer runtergespult hatte, war es für mich klar! Ein Tempomat wird kommen. Dabei ging es mir gar nie darum um eine "MINDESTGESCHWINDIGKEIT" zu halten, sonder darum, daß ich erlaubte "HÖCHSTGESCHWINDIGKEITEN" nicht unbedacht überschreite! (zB: auf Autobahn in Österreich max. 100 km/h für Kfz mit Anhänger, oder bei langen Autobahnbaustellen). Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Limits zu überschreiten stellt auch für den Smart überhaupt kein Problem dar!

Aus der Not eine Tugend

Im Zuge der Probleme bei der Anmeldung meiner Anhängevorrichtung, bot mir der Anbieter der Anhängevorrichtung (www.misterdotcom.info) die Möglichkeit aus einer Not eine Tugend zu machen und ich habe im Gegenwert der Eigenkosten für ein erforderliches EU-Prüfgutachten vom TÜV den Tempomat eingetauscht. Für mich kam dabei nur der Einbausatz mit dem originalen Tempomat-Schalter in Frage. Die Lösung kostet zwar etwas mehr, aber ich halte das für die einzig vernünftige Lösung, da Sie ergonomisch jederzeit griffbereit ist (Funktionen im Scheibenwischhebel integriert) und außerdem auch ordentlich aussieht. Eine alternative zusätzliche Konsole die ev. sogar noch per Kabel verbunden ist, halte ich für unpraktisch und sogar gefährlich! Wohin legt man diese Konsole, ohne daß das Kabelschlaufen im Fahrerbereich bleiben, die im Weg sind oder in denen man sich verhaken kann und dann die Konsole herumfliegt...

Jetzt ist Sie drin, nachdem der Tempomat in der Motorelektronik freigeschalten und die Software eingespielt wurde. Sogar den Einbau habe ich gleich direkt im Smart-Center machen lassen. (Ich war eh ziemlich überrascht, daß die das gemacht haben. Immerhin ist das ein Nachbausatz!) Die klassische Tempomatfunktion habe ich bisher noch kaum nutzen können, da der Einbau erst vor wenigen Tagen durchgeführt wurde. Es ist schon ein etwas gewöhnungsbedürftiges Gefühl wenn die Geschwindigkeit nicht mehr direkt vom Gasfuß abhängig ist.

Die erfreuliche Nebenfunktion: der Limiter

Während ich noch auf die Gelegenheit warte, den Tempomat mit der Einstellung einer konstanten Geschwindigkeit entsprechend einsetzen zu können, verwende ich eine Nebenfunktion fast andauernd.

Mit dem Limiter ist es möglich eine maximale Höchstgeschwindigkeit einzustellen, bei der der Wagen automatisch abriegelt. Was sich nach einer netten Spielerei anhört, ist bei mir in Dauerverwendung!

Dazu muß ich anmerken, daß ich täglich die A23 (Wiener Süd-Ost-Tangente) fast in voller Länge nutze. Diese Stadtautobahn ist auf 80km/h beschränkt und mit einigen fixen Radarstation, die abwechselnd aktiv sind bestückt. Stadtauswärts geht es kurzt nach dem Verteilerkreis den Wienerberg hinunter und mitten in diesem Gefälle steht eine permanente Münzeinwurfstation des Finanzministers (Radarkasten). Ich kenne niemanden, der hier regelmäßig fährt und nicht schon mehrfach in letzter Sekunde abgebremst hat, um nicht zu schnell zu sein. Es ist gefährlich und wenn's dann trotzdem mal blitzt äußerst ärgerlich...

Ab sofort fahre ich hier absolut entspannt vorbei. Der Limiter auf (etwas über) 80km/h gestellt, und das Auto riegelt ab. Entspanntes fahren, auch im temporeduziertem Bereich.

Das Gleiche gilt auch für Fahrten mit Anhänger auf Land- und Bundesstraßen aber auch auf Autobahnen im Verkehr. In allen diesen Bereichen kann der Tempomat kaum verwendet werden, da hier nicht mit konstanten Geschwindigkeiten gefahren wird.

Unachtsamkeit

Für mich ist diese Funktion absolut super und ein wichtiges elektronisches Helferlein im Auto. Alle bisherigen "Tickets" die ich wegen "Speedings" einlösen durfte, sind aus Unachtsamkeit passiert. Meist nach/bei längeren Fahrten, wenn die Geschwindigkeit den äußeren Bedingungen angepaßt war (gute Sicht, wenig Verkehr). Geholfen hats freilich nichts, denn da war doch überall eine dieser "blöden" Tafeln vorher angebracht.

Verkaufsargument: "Garantierte Langsamkeit", ein Widerspruch?

Auch wenn die Industrie nach wie vor am liebsten Ihre PS-strotzenden Flaggschiffe in die erste Reihe der Auslagenfenster stellt, wundert es mich doch etwas, daß diese simple Elektronik nicht viel stärker beworben und eingebaut wird. Was jetzt als unverkäufliches Argument eines Öffi-fahrenden Urban-Alternativen klingen mag, hat bei näherer Betrachtung durchaus auch seinen Reiz für Auto-Kunden:
der Limiter kann jederzeit durch Tastendruck deaktiviert werden und die scheinbare "grenzenlose" Freiheit ist wieder sichergestellt.
zumindest in Österreich ist mir keine Autobahn bekannt, die derzeit nicht über einen längeren Abschnitt auf eine niedrigere Geschwindigkeit beschränkt ist.
Section-Controll-Stationen befinden sich bereits im Kaisermühlen-Tunnel auf der A22, auf der Tauernautobahn A10 sowie der Westautobahn A1 und überwachen über einen längeren Abschnitt hinweg die Durchschnittsgeschwindigkeit.
jüngsten Verkaufsstatistik zufolge, ist der dzt. Markt an Oberklasseautos rückgängig während die Zahlen bei günstigen Kleinwagen sowie für Modelle mit Automatikschaltung positive Wachstumsraten aufweisen, ein Indiz dafür, daß der Rechenstift zunehmend mehr Bedeutung gewinnt, als z.B. das Cowboy-Image des Malboro-Man.
Die Verkehrsdichte noch immer rasant zunimmt und der Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" spätestens beim nächsten LKW ad absurdum geführt wird.

Während alle übrigen Entwicklungen auf "mehr Leistung" ausgerichtet sind, garantiert eine kleine Platine eine gewünschte Langsamkeit und vermeidet unnötige Steuereinnahmen für das Bundesbudget und ermöglicht ein entspanntes Fahren. Ich finde es hat auch Charme "die Qualität der garantierten Langsamkeit" genießen zu können.
climber@ .at

 

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