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Cool and the Gang: Inzwischen hat meine
Wohngruppe ihre 10-tägigen
Osterferien in ein Trial-Trainingslager umgewandelt. |
EIN GRUND ZUM FEIERN
„Fünf Jahre Trial“ im Wächterheim in
Kirchheim/Teck
Text und Fotos Hansel Siegel
Die Stiftung Wächterheim in
Kirchheim/Teck ist eine Einrichtung mit zwei Dienstangeboten: –
Betreuung von pflegebedürftigen, meist alten Menschen –
erzieherische Betreuung und Begleitung von sozial gefährdeten
Kindern und Jugendlichen Im Rahmen der Jugendhilfe ist ein
differenziertes Angebot entstanden.
Dieses gliedert sich in ambulante
Angebote, teilstationäre und vollstationäre Maßnahmen. Wichtige
Voraussetzung für gelingende Betreuungen sind Angebote, die zum
einen angenommen werden und die zum anderen langfristig eine
Verhaltensänderung bewirken können.
Die Defizitanalyse der Jugendlichen
lässt unter anderem den Schluss zu, dass eine sport- und
erlebnispädagogisch ausgerichtete Maßnahme bei vielen der
Jugendlichen etwas bewirken könnte. Es soll ermöglicht werden, ihre
Gefühle und Sinne zu befriedigen.
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Hilfestellung: Fürs Leben und auf der
Trialmaschine im Gelände. |
Ihr Selbstwertgefühl soll gesteigert,
Gefühle und Ängste gelebt, nicht nur verdrängt werden. Die Schulung
der Konzentration und der Bewegungskoordination muss intensiviert
werden. Es muss Ausdauer, Mut und Kreativität gefördert werden. In
einer Gruppe wieder Zusammengehörigkeit zu erleben, neue
Außenkontakte knüpfen, so könnten falsch kanalisierte Lernwege
Korrektur erfahren.
Im Frühjahr 2000 machte sich Hansel
Siegel, langjähriger Mitarbeiter einer Wohngruppe auf, nach neuen
Betreuungsangeboten für schwierige Jugendliche zu suchen. Die
Methode sollte attraktiv und umsetzbar sein. Aber wie und was ?
Er berichtet: Ein langjähriger Freund
sprach mich an „Geh doch mal mit mir ins Gelände, ich hab mir vor
ein paar Wochen ein Trialmotorrad gekauft, macht Spaß!“
Ich dachte: Trial? Ich? Gesagt,
getan. Kaum dass ich die ersten Meter hinter mir hatte, fing es an
zu wirken. Nicht umsonst wird wie folgt aus verschiedenen Quellen
berichtet:
„Trial – Den Fahrer fesselt das
erhebende Gefühl, mit der Maschine eine funktionierende Einheit zu
bilden. Trial beschränkt sich nicht nur auf das reine Bedienen eines
Motorrades. Die gestellten Aufgaben sind nur zu bewältigen, wenn ein
Zusammenspiel von der richtigen koordinierten Körperbewegung und der
entsprechenden, durch die Gashand gesteuerten Unterstützung des
Motors fehlerfrei erfolgt. Darüber hinaus ist das überlegte
Ausnützen der physikalischen Grenzen zu beachten. Die Beherrschung
stellt erhebliche Ansprüche an den Fahrer. Alle Körperregionen sind
aktiv und die Sinne aktiviert. Die erfolgreiche Bewältigung der
spezifischen Anforderungen ermöglicht die Befriedigung von geistigen
und seelischen Ansprüchen wie Erfolg, Bestätigung, Grenzen erleben,
Überwindung von Hemmungen und Angst. Trial spricht das technische
Interesse von Jugendlichen an. Es bringt Lernprozesse in Gang, die
Einsicht in den umfangreichen Funktionsablauf eines Kraftfahrzeuges
erlauben“.
Die Idee war geboren. Kontrolliertes
Motorradfahren mit Jugendlichen – das fehlt, das wäre was!
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Technik-Freaks: Die KFZ-Werkstatt Rainer
Seinemayer hilft bei
Problemen, die normalen Wartungsarbeiten werden aber selbst
erledigt. |
Altmeister Felix Krahnstöver stellte
den regionalen „Fach“- Kontakt zur Familie Greiner her.
Siegfried und Hans halfen mir mit dem nötigen Background, um eine
Konzeption zu erstellen. Schließlich musste ich nicht nur eine Idee
haben, sondern auch meinen Dienstherren überzeugen, dass wir im
Wächterheim ein solches Angebot unbedingt brauchen würden. Die
ersten theoretischen Ergebnisse überzeugten.
Mit einem Trainingstermin ließen sich
alle weiteren Bedenken ausräumen. Er versprach die Finanzierung.
Eine großzügige Spende wurde dem Trialprojekt zur Verfügung
gestellt. Siegfried Greiner aktivierte seine Kontakte zu Peter
Schwarz Zweiradhandel in Niederzissen. Zwei drei Jahre alte
Fantic-Section wurden unser Eigen. Etwas später kam für unsere
Anfänger noch eine 50 ccm-Mecatecno dazu.
Das Trialprojekt im Wächterheim war geboren, Training und Schulung
konnten beginnen. Neben dem Wächterheimgelände konnten wir auch bald
das Gelände des MSC Schorndorf für unsere Zwecke nutzen. Auch der
AMC Salach bot seine Dienste an. So hatten wir in kürzester Zeit
optimale Trainingsbedingungen.
Jochen Bader-Motorsport hilft uns bei Ausstattungsproblemen aller
Art. Sicherheit geht vor, daher musste auch ein Pool von Helmen,
Knieschützern und Handschuhen angeschafft werden.
Inzwischen haben 40 Jugendliche an
unserem Trialprojekt teilgenommen. Sie bekommen umfassende Infos zum
Trialsport. Parallel zum Training dienen Informationen zum Erwerb
der Wächterheim-Trial-Fahrerlizenz. Diese Lizenz sichert einen
gemeinsamen Standard im Tun und Verstehen.
Das Training konzentriert sich auf
die folgenden Schwerpunkte:
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Lebensphilosopie: Hindernisse angehen
anstatt
sie zu umgehen oder davor weg zu laufen. |
– Grundlagen des Fahrens in ebenem
Gelände
– Erlerntes Ausbauen im Schräghang
– Fahren im leichten Gelände
– Sektion erarbeiten, die durchgängig befahren werden kann.
Freiwillig können die erlernten
Fähigkeiten mit der Teilnahme an offiziellen Wettkämpfen überprüft
werden. Auch die Teilnahmen an Clubläufen des MSC Schorndorf sind
möglich.
Inzwischen hat meine Wohngruppe ihre
10-tägige Osterfreizeit in ein Trialtrainingslager umgewandelt. Auch
der Einsatz als Punkterichter bei Veranstaltungen gehört zu den
festen, alljährlich wiederkehrenden Aufgaben.
Auch der Stamm der „Instruktoren“ wuchs im Laufe der Jahre. Kollege
Thomas Henzler und Kollegin Elvira Götz nahmen Trial in ihr
Betreuungsangebot auf.
Das Programm ist stimmig und wird von
verschiedensten Jugendlichen sehr positiv angenommen. Der intensive
persönliche Kontakt fördert die Beziehungsarbeit und eröffnet
vielerlei Möglichkeiten zur Bewältigung der Alltagsproblematik. Der
Transfer in den Alltag muss begleitet und geleistet werden. Trial
dient hier als sehr gutes und sinnvolles Medium. Ich möchte dieses
Angebot und die damit verbundenen Möglichkeiten nicht mehr missen.
Ohne die Hilfe all der stillen Helfer
wäre es trotzdem nicht möglich, dieses Projekt zu betreiben.
Die KFZ-Werkstatt Rainer Seinemayer in Kirchheim hilft bei all den
kleinen Problemen des Motorradalltags. Freunde und Bekannte
unterstützen uns mit ihrem persönlichen Engagement und ihrem
beruflichen Fachwissen. Finanziell sind wir weiterhin auf Spenden
und sonstige Zuwendungen dringend angewiesen. Der Jugendhilfeetat
sieht solche attraktiven, aber doch kostenintensiven Angebote nicht
vor. Unsere Bemühungen um Spenden dauern also an, ein „Hauptsponsor“
ist leider noch nicht in Sicht, aber vielleicht? An Alle die sich
mit uns durchs Gelände schlagen: Danke.
Wir werden „unsere 5 Jahre
Trialprojekt im Wächterheim“ natürlich gebührlich im Frühjahr
feiern. Alle, welche mit uns feiern wollen, sind herzlichst dazu
eingeladen.
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